Ziel der Einheit
Die Teilnehmenden lernen, dass Glaube auch im Erleben von Gottesferne Raum hat und entdecken Hiobs Ringen als Einladung, Gott im Dunkeln zu suchen.
Vorbereitung für Leiter:innen
Hiob 23 gehört zu den späteren Reden Hiobs. Nach langen Diskussionen mit seinen Freunden wendet er sich in einem Monolog direkt an Gott. Der Text lebt von der Spannung: Hiob sehnt sich danach, Gott zu finden, und erlebt ihn gleichzeitig als fern. In Vers 3–7 klingt die Sehnsucht an, Gott zur Rede zu stellen – nicht als Rebell, sondern als jemand, der sich nach einem fairen Gegenüber sehnt. Besonders wichtig ist Vers 10: „Er kennt meinen Weg; prüfte er mich, so ginge ich hervor wie Gold.“ Hier blitzt Vertrauen mitten im Dunkel auf. Für die Vorbereitung ist hilfreich, das ganze Kapitel 23 zu lesen und den Zusammenhang der Reden grob zu kennen. Hiob bekommt in diesem Abschnitt noch keine Antwort – das eigentliche Gottesreden kommt erst viel später. Überlege, ob du eigene Erfahrungen von Gottesferne oder „dunklen Zeiten“ in vorsichtiger Weise teilen kannst. Mach dir bewusst: Manche in der Gruppe könnten aktuell in einer Krise stecken. Ziel ist nicht, schnelle Erklärungen zu liefern, sondern zu zeigen, dass die Bibel solche Erfahrungen ernst nimmt und nicht fromm wegbügelt.
Homiletische Kurzbeschreibung
Diese Einheit lädt dazu ein, ehrlich zu werden: Es gibt Phasen, in denen Gott weit weg scheint. Hiob 23 zeigt einen Glauben, der gerade im Suchen und Fragen an Gott festhält. Der Text ermutigt, die eigenen „Verstecke Gottes“ auszusprechen und zugleich die leise Hoffnung zu bewahren: Gott kennt meinen Weg, auch wenn ich ihn nicht sehe. Im Licht des Neuen Testaments wird deutlich, dass Gott im gekreuzigten Christus selbst in die Gottesferne hinein gegangen ist.
Einstieg
- Kennst du Zeiten, in denen Gott dir sehr nah erschien – und Zeiten, in denen er weit weg war?
- Welche Bilder für „Dunkelheit“ oder „Durststrecke im Glauben“ fallen dir ein?
- Wie leicht oder schwer fällt es dir, über Zweifel und Fragen zu sprechen?
Bibeltext
Hiob 23,1–17 lesen.
Kurzimpuls
Hiob sucht Gott – nach vorn, nach hinten, links und rechts – und doch findet er ihn nicht. Trotzdem rechnet er damit, dass Gott ihn kennt und einen Weg mit ihm geht. Glaube heißt hier nicht, Gottes Nähe zu spüren, sondern an seiner Treue festzuhalten, obwohl sich nichts so anfühlt. Der Text lädt ein, eigene Dunkelheit nicht zu verdrängen, sondern betend auszusprechen. Gott ist größer als unsere Wahrnehmung und bleibt treu, auch wenn er sich verbirgt.
Gesprächsfragen
Wahrnehmen:
- Welche Gefühle und Bilder springen euch beim Lesen von Hiob 23 ins Auge?
- Wo schwanken Klage, Sehnsucht und Vertrauen?
Verstehen:
- Was sagt Hiobs Sehnsucht, Gott „vor Gericht“ zu ziehen, über sein Gottesbild aus?
- Wie versteht ihr Vers 10: „Er kennt meinen Weg; prüfte er mich, so ginge ich hervor wie Gold“?
Übertragen:
- Wie gehst du persönlich mit Phasen um, in denen du Gott nicht spürst?
- Was könnte es für dich bedeuten, im Dunkeln an Gott festzuhalten – ohne so zu tun, als wäre alles gut?
Neutestamentlicher Spiegel
Markus 15,34 (Jesu Schrei am Kreuz); Hebräer 4,15–16.
Jesus kennt die Erfahrung der Gottesferne. Der Hebräerbrief lädt ein, mit Freimut zu Gott zu kommen, weil Christus unsere Schwachheit teilt.
Alttestamentlicher Hintergrund
Viele Psalmen (z.B. Psalm 22; 42–43) kennen die Spannung zwischen Gottesferne und Vertrauen. Sie geben Worte für ein suchendes Beten im Dunkeln.
Gebetszeit
Stille Zeit für persönliche Klage und Sehnsucht. Möglichkeit, kurze Ein-Wort-Gebete oder Verse laut zu sprechen. Gebet füreinander, besonders für Menschen in schweren Phasen.
Wochenimpuls
Nimm dir in dieser Woche einen der „Dunkel-Psalmen“ (z.B. Psalm 42) und markiere, wo Klage und „Dennoch-Vertrauen“ eng beieinander liegen. Formuliere einen eigenen „Dennoch-Satz“ für deine Situation.
Liedvorschläge
- Wohin sonst – Groß ist unser Gott Nr. 28
- In Christus ist mein ganzer Halt – Feiert Jesus! Best of Nr. 135
- Herr, ich hoff auf Dich – Glorify Nr. 206
- Oceans – Feiert Jesus! Gold Nr. 61