Ziel der Einheit
Die Teilnehmenden setzen sich ehrlich mit der Frage auseinander, wie Leid und Glaube zusammenpassen, und entdecken Hiob als Vorbild für ein an Gott festhaltendes Fragen.
Vorbereitung für Leiter:innen
Hiob 1–2 bilden den Auftakt des Buches und eröffnen die große Frage: Kann ein Mensch Gott umsonst lieben, also ohne Gegenleistung? Hiob wird als „rechtschaffen und gottesfürchtig“ beschrieben. Der himmlische Dialog macht deutlich: Die einfachen Formeln „Wer gut lebt, dem geht es gut“ greifen zu kurz. Die Gestalt des „Satan“ tritt hier als Ankläger auf, der Hiobs Frömmigkeit in Frage stellt. Wichtig für die Vorbereitung: Diese Kapitel sind kein Muster, wie Gott mit jedem Menschen umgeht, sondern eine dramatische Rahmenerzählung. Versprich deinen Leuten nicht, dass Gott nur so viel Leid zulässt, wie man „ertragen kann“ – dieser Satz steht so nicht in der Bibel. Schau dir an, wie Hiob reagiert: Er klagt, er zerreißt sein Kleid, er trauert – und gleichzeitig hält er an Gott fest. Auch in 2,10 bleibt er ehrlich, ohne zu verstummen. Überlege im Vorfeld, wie offen ihr in der Gruppe über Leid sprechen könnt. Vielleicht reicht es, wenn ein, zwei kurze persönliche Beispiele benannt werden. Du musst keine fertigen Antworten liefern; wichtiger ist es, einen geschützten Raum für Fragen und Klage zu eröffnen. Bete darum, dass niemand mit frommen Floskeln „zugedeckt“ wird.
Homiletische Kurzbeschreibung
Diese Einheit stellt nicht die Frage „Warum passiert Leid?“, sondern: Wie bleibe ich bei Gott, wenn ich ihn nicht verstehe? Hiob zeigt eine Glaubenshaltung, die Klage, Trauer und Vertrauen zusammenhält. Der Abend lädt dazu ein, vorschnelle Deutungen zu meiden und Leidende nicht zu verurteilen, sondern ihnen beizustehen. Im Licht des Kreuzes wird sichtbar, dass Gott selbst den Weg des Leidens geht.
Einstieg
- Wenn Menschen leiden, hört man oft Sätze wie: „Das wird schon einen Sinn haben.“ – Was löst das in dir aus?
- Erzähl – soweit du möchtest – von einer Situation, in der du dich von Gott unverstanden gefühlt hast.
- Welchen Satz oder Gedanken würdest du Leidenden lieber ersparen?
Bibeltext
Hiob 1,1–22; 2,1–10 (erzählerisch zusammengefasst lesen oder in Auszügen) lesen.
Kurzimpuls
Hiob verliert fast alles – Familie, Besitz, Gesundheit – und bleibt doch im Gespräch mit Gott. Er verharmlost das Leid nicht, aber er bricht die Beziehung zu Gott auch nicht ab. Der Text konfrontiert uns mit der Frage, ob unser Glaube nur so lange trägt, wie das Leben halbwegs funktioniert. Zugleich erinnert er daran: Im Leid darf geklagt, geweint und geschwiegen werden – vor Gott. Glauben heißt hier nicht, alle Antworten zu haben, sondern sich Gott hinzuhalten mit allen Fragen.
Gesprächsfragen
Wahrnehmen:
- Welche Szenen oder Sätze haben euch beim Lesen am meisten bewegt oder irritiert?
- Wie wird Hiob beschrieben, bevor das Leid über ihn kommt?
Verstehen:
- Was sagt die Rahmenerzählung über einfache „Wenn–dann“-Vorstellungen von Glaube und Erfolg?
- Wie würdet ihr Hiobs Reaktion in 1,20–22 und 2,10 beschreiben – eher als stark, verzweifelt, beides
Übertragen:
- Welche falschen Vorstellungen von „Wer richtig glaubt, dem passiert nichts Schlimmes“ begegnen euch?
- Was hilft dir persönlich, an Gott festzuhalten, wenn das Leben weh tut?
Neutestamentlicher Spiegel
Jakobus 5,10–11; Römer 8,35–39.
Jakobus nennt Hiobs Standhaftigkeit ein Vorbild. Paulus betont, dass uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann – auch kein Leid.
Alttestamentlicher Hintergrund
Klagepsalmen wie Psalm 13 oder 88 geben Sprache für das, was Hiob erlebt. Sie zeigen, dass Klage fester Bestandteil biblischen Glaubens ist.
Gebetszeit
Raum für stille oder gesprochene Klage. Gebet füreinander, besonders für Menschen, die aktuell Schweres tragen. Bitte um Trost und Bewahrung im Glauben.
Wochenimpuls
Nimm dir in dieser Woche einen Klagepsalm (z.B. Psalm 13) und bete ihn mehrmals. Ergänze eigene Sätze, wo du dich wiederfindest.
Liedvorschläge
- Ewig treuer Gott – Feiert Jesus! Gold Nr. 55
- Ich bin bei dir – Glorify Nr. 57
- Lege deine Sorgen nieder – Feiert Jesus! Best of Nr. 187
- Von guten Mächten wunderbar geborgen – Groß ist unser Gott Nr. 57