Ziel der Einheit

Die Teilnehmenden entdecken, dass Gott seinem Volk mitten in Krisen und „Zwischenzeiten“ Hoffnung und Zukunft zusagt, und fragen, wie diese Hoffnung ihren Alltag prägen kann.

Vorbereitung für Leiter:innen

Jeremia wirkt in einer der dunkelsten Zeiten Judas: Politische Bedrohung, innere Korruption, am Ende die Zerstörung Jerusalems und das Exil nach Babylon. Jeremia 29 enthält einen Brief an die Weggeführten. Statt schneller Rettung kündigt Gott eine längere Zeit in der Fremde an – und ruft dazu auf, gerade dort zu leben, zu arbeiten und für das Wohl der Stadt zu beten. Zugleich steht der berühmte Vers Jeremia 29,11: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe … Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil.“ Für die Vorbereitung lies Jeremia 29,4–14 und achte auf die Spannung zwischen Geduld und Hoffnung. Überlege, wo Menschen in deiner Gemeinde sich in „Zwischenzeiten“ wiederfinden: Krankheit, berufliche Unsicherheit, Glaubenskrisen. Bete darum, diese Einheit nicht als billigen Trost, sondern als ehrliche Hoffnungszusage zu gestalten.

Homiletische Kurzbeschreibung

Diese Einheit zeigt: Gottes Hoffnung ist kein frommes Pflaster, das die Realität überklebt. Jeremia ruft dazu auf, die Fremde ernstzunehmen und gerade dort mit Gott zu rechnen. Hoffnung heißt, Gottes Zukunft zu erwarten und das Heute treu zu leben – nicht zu fliehen und nicht zu resignieren. Der Abend lädt dazu ein, persönliche Krisen als Orte zu entdecken, an denen Gott schon längst am Werk ist.

Einstieg

  • Kennst du Zeiten, in denen du das Gefühl hattest: „Ich stecke fest zwischen gestern und morgen“?
  • Welche Verse oder Sätze zu „Hoffnung“ sind dir wichtig geworden – biblisch oder aus Liedern?
  • Was fällt dir schwerer: geduldig zu warten oder aktiv zu bleiben, solange sich nichts ändert?

Bibeltext

Jeremia 29,4–14 (optional ergänzend Jeremia 31,31–34) lesen.

Kurzimpuls

Jeremia schreibt an Menschen, die alles verloren haben: Heimat, Tempel, Sicherheit. Ihre Frage: Wie kann man Gott im fremden Land dienen? Gottes Antwort überrascht. Er ruft sie nicht zum Rückzug, sondern zum Leben: Häuser bauen, Gärten pflanzen, Familien gründen, für das Wohl Babylons beten. Hoffnung bedeutet hier nicht nur: Irgendwann wird es besser, sondern: Gott ist jetzt schon bei euch. Seine Gedanken über euch sind Gedanken des Friedens – mitten in einer Situation, die sich alles andere als friedlich anfühlt.

Impulsandacht

Vielleicht kennst du das Gefühl des Exils im eigenen Leben: Du bist da, wo du nie sein wolltest – beruflich, familiär, gesundheitlich. Du wartest darauf, dass Gott dich „herauszieht“. Jeremia lädt zu einem anderen Blick ein. Gott sagt seinem Volk nicht: Haltet durch, bald ist alles vorbei. Er sagt: Baut Häuser, pflanzt Gärten, sucht das Beste für den Ort, an den ich euch gestellt habe. Hoffnung heißt nicht, das Heute zu überspringen, sondern Gott gerade hier zu vertrauen. Seine Pläne sind größer als deine Sicht. „Zukunft und Hoffnung“ bleiben nicht fromme Parolen, sondern werden konkret, wenn du fragst: Was kann ich jetzt tun – in dieser unvollkommenen Situation –, um Gott zu ehren und Menschen gut zu tun? Vielleicht beginnt Gottes Zukunft für dich genau dort, wo du mit einem kleinen Schritt anfängst, im Exil zu leben statt nur zu warten.

Gesprächsfragen

Wahrnehmen:
  • Welche Aufforderungen Gottes an die Weggeführten fallen euch in Jeremia 29,4–9 auf?
  • Welche Zusagen stehen in den Versen 10–14 im Mittelpunkt?
Verstehen:
  • Was bedeutet es, für das Wohl der Stadt zu beten, in die Gott sein Volk geführt hat?
  • Wie versteht ihr die „Gedanken des Friedens“ – im Kontext von Exil und Wartezeit?
Übertragen:
  • Wo erlebst du selbst „Exilzeiten“ – Situationen, die du dir anders wünschen würdest?
  • Was könnte es konkret heißen, dort Häuser zu bauen und Gärten zu pflanzen – also präsent, treu und hoffnungsvoll zu leben?

Neutestamentlicher Spiegel

1. Petrus 1,3–9; Hebräer 11,13–16.
Das Neue Testament beschreibt Christinnen und Christen als „Fremdlinge“ mit einer lebendigen Hoffnung. Diese Hoffnung führt nicht aus der Welt heraus, sondern hinein in ein treues Leben im Vertrauen auf Gottes Zukunft.

Alttestamentlicher Hintergrund

Jeremia verbindet Gericht und Hoffnung: Neben den Klagen über Judas Untreue stehen Verheißungen eines neuen Bundes (Jeremia 31,31–34) und einer erneuerten Beziehung zu Gott. Gottes Treue geht tiefer als die Untreue seines Volkes.

Gebetszeit

Gebet für Menschen in der Gruppe, die sich in „Exilzeiten“ befinden. Bitte um Vertrauen in Gottes Gedanken des Friedens. Gebet für Städte und Regionen, in denen wir leben, arbeiten und glauben.

Wochenimpuls

Überlege dir einen konkreten Schritt, wie du in einer belastenden Situation „Häuser bauen und Gärten pflanzen“ kannst – also präsent bleiben, investieren, für andere da sein. Bitte Gott, dir Mut und Fantasie dazu zu schenken.

Liedvorschläge

  • Ich weiß, dass mein Erlöser lebt – Groß ist unser Gott Nr. 16
  • Du machst alles neu – Feiert Jesus! Best of Nr. 137
  • Zehntausend Gründe – Feiert Jesus! Gold Nr. 80
  • Herr, du gibst uns Hoffnung – Glorify Nr. 24