Ziel der Einheit
Die Teilnehmenden entdecken, dass Gott Gerechtigkeit im persönlichen Leben wie in Gesellschaft und Gemeinde ernst nimmt, und überlegen, welche Konsequenzen das für ihren Alltag hat.
Vorbereitung für Leiter:innen
Amos wirkt im 8. Jahrhundert v. Chr. im Nordreich Israel – wirtschaftlich blüht das Land, aber soziale Ungerechtigkeit greift um sich. Reiche leben im Luxus, während Arme unterdrückt werden. Amos kommt nicht aus dem religiösen Establishment, sondern ist Viehzüchter und Maulbeerfeigenzüchter. Gerade er wird von Gott gerufen, Missstände zu benennen. Zentral sind Texte wie Amos 5,21–24: Gott lehnt kultische Feiern ab, wenn sie nicht mit gelebter Gerechtigkeit verbunden sind. Für die Vorbereitung lohnt es sich, den historischen Kontext kurz nachzulesen (Nord- und Südreich, soziale Schere, religiöse Selbstsicherheit). Überlege, wo heute ähnliche Muster auftauchen: fromme Sprache ohne Konsequenzen, fromme Fassade trotz unfairer Strukturen. Prüfe dein eigenes Leben und deine Gemeinde: Wo gibt es blinde Flecken? Ziel ist nicht moralischer Druck, sondern die Einladung, Gottes Herz für Gerechtigkeit neu zu hören.
Homiletische Kurzbeschreibung
Diese Einheit stellt Gott als den vor, dem Gottesdienst ohne Gerechtigkeit ein Greuel ist. Amos sprengt die Trennung von „fromm“ und „politisch“: Glaube hat Konsequenzen für Umgang mit Besitz, Macht und den Schwachen. Der Abend lädt dazu ein, eigene Komfortzonen zu verlassen und Gerechtigkeit als Ausdruck von Gottes Liebe zu entdecken – im persönlichen Handeln wie im gemeinsamen Auftreten der Gemeinde.
Einstieg
- Wo nimmst du in unserer Gesellschaft besonders krasse Ungerechtigkeit wahr?
- Hast du schon einmal erlebt, dass fromme Worte und tatsächliches Handeln weit auseinanderlagen?
- Wenn du „Gerechtigkeit“ hörst: Denkst du zuerst an Strafe, an Fairness oder an Hilfe für Schwache – und warum?
Bibeltext
Amos 5,21–24 (optional ergänzend Amos 2,6–8) lesen.
Kurzimpuls
Amos ruft ein selbstzufriedenes Gottesvolk wach. Sie feiern, sie bringen Opfer – aber Gott sagt: Ich kann euren Gottesdienst nicht ertragen, wenn ihr zugleich die Armen überseht. Statt religiöser Shows will er, dass das Recht strömt wie Wasser. Gerechtigkeit ist kein Anhängsel, sondern Ausdruck seiner Gegenwart. Dort, wo Menschen im Namen Gottes ungerecht handeln, wird Gottes Name entstellt. Die Frage an uns: Wo könnte Gott uns heute Ähnliches sagen?
Impulsandacht
Amos stört. Er zerkratzt unser Bild vom gemütlichen Glauben, der sich gut anfühlt und niemandem wehtut. Gott erträgt es nicht, wenn wir seine Nähe besingen und gleichzeitig übersehen, wie andere unter unserem Lebensstil leiden. Vielleicht denkst du bei Gerechtigkeit zuerst an große Politik. Amos beginnt kleiner: bei unfairen Preisen, bei denen, die keine Stimme haben, bei Strukturen, von denen wir profitieren. Gottes Ruf ist kein kalter Moralismus, sondern die Einladung, sein Herz zu teilen. Er ist der Gott, der die Unterdrückten sieht – und uns hineinruft in sein Handeln. Vielleicht bedeutet das für dich einen konkreten Schritt: jemanden unterstützen, der wenig hat, dein Konsumverhalten überprüfen, in deiner Gemeinde eine Stimme für die Leisen werden. Gerechtigkeit ist gelebte Anbetung.
Gesprächsfragen
Wahrnehmen:
- Welche Worte Gottes in Amos 5,21–24 treffen euch besonders hart?
- Welche Verbindung zwischen Gottesdienst und Gerechtigkeit entdeckt ihr im Text?
Verstehen:
- Warum lehnt Gott Opfer und Lieder ab, obwohl er sie selbst geboten hat?
- Wie würdet ihr „Recht ströme wie Wasser“ in eigene Worte fassen?
Übertragen:
- Wo wünscht du dir mehr Gerechtigkeit – persönlich, in Gemeinde, in Gesellschaft?
- Welchen kleinen Schritt könntest du in der kommenden Woche gehen, um Gottes Gerechtigkeit praktisch zu leben?
Neutestamentlicher Spiegel
Lukas 4,18–19 (Jesu Programmrede in Nazareth); Jakobus 2,14–17.
Jesus verbindet Evangelium und gute Nachricht für die Armen. Jakobus warnt vor einem Glauben ohne Taten der Liebe.
Alttestamentlicher Hintergrund
Propheten wie Jesaja (Jes 1,11–17) oder Micha (Mi 6,6–8) greifen dieselbe Linie auf: Gott sucht Recht und Barmherzigkeit mehr als Opfer. Prophetenamt bedeutet nicht Zukunftsvorhersage, sondern Gottes Willen in eine konkrete Situation hinein auszusprechen.
Gebetszeit
Gebet der Bitte um offene Augen für Ungerechtigkeit. Stille für persönliche Beichte, wo wir Teil ungerechter Strukturen sind. Gebet für Menschen in Verantwortung in Politik, Wirtschaft und Kirche.
Wochenimpuls
Überlege dir in dieser Woche einen konkreten, praktischen Schritt der Gerechtigkeit (Zeit, Geld, Einsatz) und setze ihn bewusst „im Namen Jesu“ um. Notiere dir, was es mit dir macht.
Liedvorschläge
- Bahnt einen Weg unserm Gott – Feiert Jesus! Best of Nr. 5
- Alle Ehre – Feiert Jesus! Gold Nr. 9
- Groß ist unser Gott, Herr der Ewigkeit – Groß ist unser Gott Nr. 1
- Der mein Herz regiert – Feiert Jesus! Best of Nr. 36