Ziel der Einheit

Die Teilnehmenden erkennen, dass Freiheit immer auch Verantwortlichkeit vor Gott und Menschen bedeutet. Sie lernen, zwischen äußerlich erlaubten Dingen und geistlich hilfreichen Entscheidungen zu unterscheiden und werden eingeladen, Alltagsthemen (Essen, Trinken, Feiern usw.) im Licht des Evangeliums zu reflektieren.

Vorbereitung für Leiter:innen

Paulus erinnert in 10,1–13 an Israels Wüstenzeit. Alle haben dieselben geistlichen Privilegien erlebt – und doch sind viele gefallen. Die Beispiele von Götzendienst, Unzucht, Murren und Versuchung machen deutlich: Gottes Volk ist nicht automatisch gefeit vor dem Abdriften. Der warnende Satz „Wer meint, er stehe, der sehe zu, dass er nicht falle“ (10,12) ist keine Drohung, sondern ein realitätsnaher Weckruf.

In 10,23–33 greift Paulus wieder das Motto „Alles ist erlaubt“ auf. Er unterscheidet: Nicht alles dient, nicht alles baut auf. Es geht um das Gewissen – das eigene und das des anderen –, um Gottes Ehre und um die Frage, wie unser Verhalten auf Menschen wirkt, die noch auf dem Weg zum Glauben sind.

Seelsorgerlich ist hier viel Weisheit gefragt: Es geht nicht darum, neue Gesetzeslisten zu erstellen. Paulus lädt ein zu einer Haltung, die fragt: Was dient dem anderen? Was ehrt Gott? Wo laufe ich in Versuchungen hinein, die mir nicht guttun? Hilf der Gruppe, aktuelle Beispiele zu finden (Medien, Konsum, Feiern, Geld) und sensibel zu sprechen.

Homiletische Kurzbeschreibung

Freiheit ohne Wachsamkeit kann in alte Götzen-Muster zurückführen. Paulus ruft dazu auf, die Geschichte Israels als Warnspiegel zu lesen und Freiheit im Licht von Gottes Treue zu leben. Nicht alles, was erlaubt ist, baut auf. Christliche Freiheit fragt: Dient es? Ehrt es Gott? Hilft es meinem Nächsten?

Einstieg

Einstiegsfragen:

  • Wann wurdest du überredet, an einer Aktivität teilzunehmen, die du später bereut hast?
  • Wo erlebst du den Satz „Das ist doch nicht so schlimm“ als typische Rechtfertigung – bei dir selbst oder bei anderen?
  • Welche Alltagsbereiche empfindest du als „Grauzonen“, in denen es nicht einfach schwarz-weiß ist (z.B. Medien, Alkohol, Geld, Freizeit)?
  • Welche Rolle spielt das Gewissen in Bezug auf die Entscheidungen, die wir treffen?

Bibeltext

Lest 1. Korinther 10,1–13 und anschließend 10,23–33. Markiert in 10,1–13 die Verben, die Israels Weg beschreiben, und in 10,23–33 die Leitbegriffe für christliche Freiheit (dient, baut auf, Ehre Gottes, Gewissen, Rettung anderer).

Kurzimpuls

Paulus nimmt die Korinther ernst in ihrer Freiheit – aber noch ernster in ihrer Gefährdung. Er zeigt: Wer sich sicher glaubt, kann trotzdem fallen. Gottes Treue bleibt, aber unsere Entscheidungen haben Gewicht. Freiheit wird im Dienst der Liebe und der Ehre Gottes verantwortet – mitten im ganz normalen Alltag.

Impuls-Andacht

Die Wüstenzeit Israels ist keine fromme Vergangenheit, sondern ein Spiegel. Menschen, die Gott Großes erlebt haben, geraten in Götzendienst, Unzucht, Unzufriedenheit. Paulus sagt: Seid realistisch, rechnet mit Versuchung – aber rechnet genauso mit Gottes Treue. Keine Versuchung ist so, dass Gott keinen Ausweg wüsste.
Im zweiten Teil wird es alltagsnah: Essen, Feiern, Einladungen. Paulus gibt keine starren Regeln, sondern Fragen an die Hand: Baut es auf? Ehrt es Gott? Wie wirkt es auf das Gewissen des anderen? Vielleicht bedeutet Freiheit für dich neu, nicht nur zu fragen: „Darf ich das?“, sondern: „Tut es mir gut? Dient es jemandem? Zeigt es etwas von Gottes Güte?“ Das ist kein Verlust, sondern ein Weg in eine reifere Freiheit.

Gesprächsfragen

Wahrnehmen:
  • Welche Beispiele aus Israels Geschichte nennt Paulus – und was verbindet sie?
  • Welche Leitworte zur Freiheit findest du in Vers 23–33 (z.B. „dient“, „baut auf“, „Ehre Gottes“)?
  • Was bedeutet es in 1. Korinther 10,23, dass ‚alles erlaubt ist‘, aber nicht alles nützlich ist?
  • Wie wird in diesem Abschnitt die Idee der Freiheit im Glauben dargestellt?
Verstehen:
  • Wie passt die Warnung vor dem Fallen (Vers 12) zu der Zusage von Gottes Treue (Vers 13)?
  • Wie unterscheidet sich Paulus’ Verständnis von Freiheit von einem „Ich mach’ einfach, was ich will“-Denken?
Übertragen:
  • Was bedeutet es, ‚auf das Wohl des anderen zu achten‘, und wie können wir das im Alltag umsetzen?
  • Wo merkst du in deinem Leben typische „Götzen“ oder Versuchungen, die dich binden wollen?
  • Welchen Bereich deines Alltags möchtest du in den nächsten Wochen bewusster im Licht von 1. Korinther 10 leben?

Neutestamentlicher Spiegel

Galater 5,13–14: „Ihr seid zur Freiheit berufen … nur gebraucht die Freiheit nicht als Anlass für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe.“ Paulus bringt auch dort Freiheit und Liebe zusammen.

Alttestamentlicher Hintergrund

2. Mose 32: Die Geschichte vom Goldenen Kalb zeigt, wie schnell Gottes Volk sich einen sichtbaren Götzen schafft, wenn es Gottes Unsichtbarkeit und Geduld nicht aushält. Paulus greift diese Episode in 1. Korinther 10 auf.

Gebetszeit

Gebet um einen wachen Blick für Versuchungen und für „Götzen“ im eigenen Leben. Dank für Gottes Treue, der Wege aus der Versuchung zeigt. Fürbitte für Menschen, die in zerstörenden Mustern feststecken und Befreiung brauchen.

Wochenimpuls

Wähle einen konkreten Bereich (z.B. Medienkonsum, Geld, Essen, Alkohol) und bete: „Herr, zeig mir, was mir dient und was nicht.“ Triff in dieser Woche eine kleine, konkrete Entscheidung, die deine Freiheit im Licht von Gottes Ehre und Liebe ausdrückt.

Liedvorschläge

  • Feiert Jesus! Best of 29 – Allein deine Gnade genügt
  • Feiert Jesus! Gold 49 – Gnade und Wahrheit
  • Glorify 21 – Allein deine Gnade genügt
  • Groß ist unser Gott 11 – Gnade und Wahrheit