Ziel der Einheit
Die Teilnehmenden verstehen, dass Paulus seine Freiheit nicht zur Absicherung eigener Rechte nutzt, sondern um Menschen zu gewinnen. Sie entdecken: Christliche Freiheit zeigt sich in der Bereitschaft zum Verzicht und in einem zielgerichteten Leben mit Christus – nicht im beliebigen Dahinleben.
Vorbereitung für Leiter:innen
Kapitel 9 knüpft direkt an Kapitel 8 an. Dort ging es um die Frage, wie man mit strittigen Themen und Gewissensfragen umgeht. Paulus macht nun an sich selbst deutlich, was es heißt, auf Rechte zu verzichten. Er hätte als Apostel Anspruch auf Versorgung, Ehe, Anerkennung – aber er nutzt diese „exousia“ (Vollmacht/Recht) nicht. Sein Maßstab ist das Evangelium.
In Vers 19–23 beschreibt er sein missionarisches Herz: „Allen bin ich alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.“ Das ist kein opportunistischer Anpassungskurs, sondern die Haltung eines Dieners (doulos), der aus Liebe Brücken baut. Die Verse 24–27 greifen Bilder aus dem Sport auf: Lauf, Wettkampf, Selbstdisziplin. Glauben heißt nicht: treiben lassen, sondern zielgerichtet leben – mit Christus als Ziel.
Seelsorgerlich ist wichtig, zwei Extreme zu vermeiden: • Selbstaufopferung ohne Grenzen, die in Burnout führt.
• Selbstbehauptung, die das Evangelium zwar im Munde führt, aber kaum Opferbereitschaft kennt.
Hilf der Gruppe, gesunde Fragen zu stellen: Wo ist Verzicht aus Liebe dran – und wo sind auch Grenzen nötig, damit Dienst nicht zerstört?
Homiletische Kurzbeschreibung
Paulus ist frei – und genau deshalb macht er sich zum Diener. Er verzichtet auf Rechte, um Menschen zu gewinnen. Glaube wird als Lauf beschrieben, der ein Ziel hat. Christliche Freiheit bedeutet nicht, alles mitzunehmen, was geht, sondern das eine im Blick zu behalten: dass Menschen Jesus kennenlernen und ich mein Leben im Licht seines Ziels lebe.
Einstieg
Einstiegsfragen:
- Welches Hobby oder welche Leidenschaft hast du, die dir hilft, deine Freizeit zu genießen?
- Wo hörst du in deinem Alltag Sätze wie „Das steht mir zu!“ oder „Das Recht lasse ich mir nicht nehmen!“?
- Kennst du Situationen, in denen du bewusst auf ein Recht verzichtet hast – um eines Menschen willen oder um des Glaubens willen?
Kurzer Austausch in Zweiergruppen, danach einige Stimmen im Plenum.
Bibeltext
Lest 1. Korinther 9,19–23 und 9,24–27. Markiert im ersten Abschnitt alle Formulierungen zum Thema „Diener werden / allen alles werden“ und im zweiten Abschnitt alle Bilder aus dem Sport (Lauf, Kranz, Kampf). Lasst danach einen Moment Stille: Welche Formulierung bleibt bei dir hängen?
Kurzimpuls
Paulus lebt eine Freiheit, die sich verschenkt. Er hält nicht an seinen Rechten fest, sondern stellt sich in den Dienst des Evangeliums. Dabei verliert er das Ziel nicht aus den Augen: wie ein Läufer, der nicht ziellos rennt, sondern auf den Siegeskranz zu. Christliche Freiheit heißt: Ich bin frei, mich selbst nicht zum Zentrum machen zu müssen.
Impuls-Andacht
„Allen bin ich alles geworden“ – das klingt nach einem Menschen ohne Profil. Bei Paulus ist es das Gegenteil. Er weiß genau, wem er gehört: Christus. Gerade deshalb kann er auf Rechte verzichten, mit denen er sich absichern könnte. Freiheit bedeutet für ihn nicht, sich alles offen zu halten, sondern sich zu verschenken. Er bewegt sich auf Menschen zu, nimmt ihre Welt ernst, ohne seine Mitte zu verlieren.
Das Bild vom Lauf macht deutlich: Glaube ist kein Spaziergang ohne Ziel. Wer sich Jesus anvertraut, läuft nicht mehr planlos durch die Gegend, sondern auf ihn zu. Vielleicht ist diese Einheit eine Einladung, deine Freiheit neu zu verstehen: Nicht als Möglichkeit, alles durchzusetzen, was dir zusteht, sondern als Freiheit, dich an Menschen zu verschenken, damit sie etwas von Christus sehen.
Gesprächsfragen
Wahrnehmen:
- Welche Menschen- und Gruppenbeschreibungen nennt Paulus in Vers 19–23? Welche Spannweite wird deutlich?
- Welche Verben und Bilder verwendet er für den Lauf des Glaubens (Vers 24–27)?
- Was bedeutet es, „allen alles zu sein“?
Verstehen:
- Was ist der Unterschied zwischen gesunder Anpassung aus Liebe und bloßer Angepasstheit aus Menschenfurcht?
- Wie hängen Freiheit, Verzicht und Zielorientierung in diesem Text zusammen?
- Wie zeigt der Apostel Paulus seine Verpflichtung, das Evangelium zu verbreiten, indem er sich den verschiedenen Menschen anpasst? Was denkst du darüber?
Übertragen:
- Welche praktischen Schritte kannst du unternehmen, um die Worte aus diesem Abschnitt in deinem täglichen Leben aktiv umzusetzen?
- Wo könntest du in deinem Alltag bewusst auf ein Recht verzichten, um eines Menschen willen oder um des Evangeliums willen?
- Welches „Trainingsfeld“ im Glauben braucht vielleicht neue Aufmerksamkeit, damit du nicht ziellos läufst?
Neutestamentlicher Spiegel
Philipper 2,5–8: Christus selbst wird als der beschrieben, der seine Rechte nicht festhält, sondern sich erniedrigt und Knechtsgestalt annimmt. Paulus spiegelt in seinem Dienst den Weg Jesu wider.
Alttestamentlicher Hintergrund
Jesaja 52,7: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen …“ Schon im Alten Testament wird der Dienst derer gewürdigt, die sich mit ihrer ganzen Person in Gottes Botschaft hineingeben.
Gebetszeit
Dank für die Freiheit, die Christus schenkt, und für Menschen, die uns den Glauben glaubwürdig vorgelebt haben. Gebet um ein Herz, das bereit ist, auf Rechte zu verzichten, wo es dem Evangelium dient. Fürbitte für Menschen, die uns wichtig sind und Jesus noch nicht kennen.
Wochenimpuls
Überlege dir eine konkrete Person, für die du in dieser Woche einen Schritt auf sie zu gehen willst – vielleicht mit einem Anruf, einer Einladung, einem praktischen Dienst. Bitte Jesus darum, dir zu zeigen, wie du ihr „alles werden“ kannst, ohne dich selbst zu verlieren.
Liedvorschläge
- Feiert Jesus! Best of 12 – Heiland der Welt
- Feiert Jesus! Gold 1 – Alle Augen auf dich
- Glorify 4 – Allein zu deiner Ehre
- Groß ist unser Gott 1 – Groß ist unser Gott, Herr der Ewigkeit