Ziel der Einheit
Die Teilnehmenden lernen, mit unterschiedlichen Überzeugungen in „zweitrangigen“ Fragen respektvoll umzugehen. Sie entdecken, dass Christus selbst Maßstab und Mitte ist, dass gegenseitige Annahme ein starkes Zeugnis für das Evangelium ist und dass die vielen Namen und Grüße in Römer 16 ein lebendiges Bild einer solchen Gemeinde zeichnen.
Vorbereitung für Leiter:innen
Römer 14–15 behandelt Konflikte in der Gemeinde: Fragen von Essen, Feiertagen und Gewissen. Es geht um „Starke“ und „Schwache“ im Glauben. Die Gefahr: Verachtung von oben und Verurteilung von unten. Paulus ruft zur gegenseitigen Annahme auf – mit Christus als Herrn über alle.
Wichtig ist, zwischen Grundfragen des Evangeliums und Fragen der Freiheit zu unterscheiden. Paulus relativiert die Dinge, um die gestritten wird („das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken“), ohne sie zu verachten. Liebe nimmt Rücksicht auf das Gewissen des anderen. Ziel ist der gemeinsame Lobpreis Gottes.
Römer 16 macht das praktisch sichtbar: eine lange Liste von Namen, Hausgemeinden, Mitarbeitenden – Frauen und Männer, Juden und Nichtjuden. Phoebe wird als Diakonin und Patronin vorgestellt, Priszilla und Aquila als Mitarbeitende, viele als „Geliebte“ und „Bewährte“. Diese Grüße sind kein Anhang, sondern ein Fenster in eine Gemeinde, die Annahme und Zusammenarbeit lebt.
Seelsorgerlich aktuell: Auch heute gibt es Spannungen über Stilfragen, ethische Bewertungen, Frömmigkeitsformen. Dieser Text kann helfen, Rechthaberei zu entlarven und den Blick auf Christus als Maßstab zu lenken. Achte darauf, dass sich niemand in seinen Gewissensfragen lächerlich gemacht fühlt.
Homiletische Kurzbeschreibung
Römer 14–16 ruft zu einer Freiheit, die den anderen im Blick hat. Nicht alles ist gleichgültig, aber nicht alles ist evangeliumskritisch. Christus ist der Herr über alle – deshalb können wir einander annehmen, wie er uns angenommen hat. Römer 16 zeigt in Namen und Grüßen, wie so eine Gemeinde konkret aussehen kann.
Einstieg
Einstiegsfragen:
- Was machst du, wenn dich ein Obdachloser um Geld bittet?
- Wann hast du schon einmal abgelehnt, etwas zu essen, das dir angeboten wurde?
- Was ist ein Lebensmittel oder ein Gericht, das du besonders gerne isst, auch wenn andere es nicht mögen? Warum magst du es?
- Wo hast du schon einmal über „fromme Nebensächlichkeiten“ gestritten – Kleidung, Musikstil, Feierformen …? Was hat das mit dir gemacht?
- Was sind Themen, bei denen du merkst: „Hier reagiere ich sehr empfindlich“ – und warum wohl?
Optional: Kurze Brainstorming-Runde: „Worüber wird in Gemeinden gerne gestritten, obwohl es nicht das Zentrum des Evangeliums ist?“
Bibeltext
Lest Römer 14,1–3; 14,13–19; 15,5–7 und 16,1–5.25–27. Markiert, welche Haltungen Paulus kritisiert (verachten, richten) und welche Ziele er nennt (Friede, Erbauung, gemeinsame Verherrlichung Gottes). Beachtet in Römer 16 die Vielfalt der Personen und Beziehungen.
Kurzimpuls
Paulus ruft dazu auf, einander nicht wegen unterschiedlicher Überzeugungen in Randfragen zu verurteilen oder zu verachten. Wir gehören alle demselben Herrn. Liebe nimmt Rücksicht und stellt das Reich Gottes über persönliche Vorlieben. Römer 16 zeigt, wie eine Gemeinde aussieht, in der viele unterschiedliche Menschen gemeinsam dienen und sich als Geschwister sehen.
Impuls-Andacht
Gemeinden zerbrechen selten an den großen Glaubensbekenntnissen, sondern oft an Stilfragen und Gewohnheiten. Römer 14–16 nimmt diese Konflikte ernst. Paulus unterscheidet nicht in „besser“ und „schlechter“, sondern nennt einige stark, andere schwach im Glauben – und ruft beide zur Liebe. Der Maßstab ist nicht: Wer setzt sich durch? Sondern: Was dient dem Frieden und der Erbauung? Der Blick in Römer 16 zeigt: Eine Gemeinde ist kein anonymer Block, sondern ein Netz von Beziehungen, Hauskreisen, Mitarbeitenden. Am Ende steht ein großes Ziel: dass wir Gott „mit einem Munde“ preisen. Vielleicht ist diese Einheit eine Einladung, eigene Lieblingsthemen zu relativieren und neu zu fragen: Was hilft uns gemeinsam, Jesus in den Mittelpunkt zu stellen?
Gesprächsfragen
Wahrnehmen:
- Welche Konflikte werden im Text konkret genannt – und welche Haltungen kritisiert Paulus?
- Wie beschreibt Paulus in diesem Abschnitt den Umgang mit Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gemeinde?
- Was fällt dir in Römer 16 an der Vielfalt der genannten Personen auf (Herkunft, Geschlecht, Rollen)?
Verstehen:
- Wie unterscheidet Paulus zwischen zentralen Glaubensfragen und Fragen der Freiheit?
- Was bedeutet es konkret, einander „anzunehmen, wie Christus uns angenommen hat“ – auch im Licht der Grüße in Kapitel 16?
Übertragen:
- Was bedeutet es für dich, in den „freien Dingen“ des Glaubens in Einheit mit anderen Gläubigen zu leben?
- Wo gibt es in deiner Gemeinde oder Gruppe Spannungen über „zweitrangige“ Themen? Was könnte helfen, neu auf Christus zu schauen?
- Gibt es eine Person oder Gruppe, die du innerlich eher verachtest oder richtest? Wie könnte ein erster Schritt der Annahme aussehen?
Neutestamentlicher Spiegel
Galater 5,13–15: „Zur Freiheit seid ihr berufen … Nur gebraucht die Freiheit nicht als Anlass für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe.“ Freiheit und Liebe gehören zusammen – wie in Römer 14–16.
Alttestamentlicher Hintergrund
Psalm 133: „Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ Die gute Gemeinschaft des Volkes Gottes ist schon im Alten Testament ein Zeichen von Gottes Segen.
Gebetszeit
Gebet um Einheit in der Vielfalt der Gemeinde. Raum für Bekenntnis, wo wir andere verachtet oder verurteilt haben. Fürbitte für konkrete Konflikte in Gemeinden und Werken, dass Gottes Frieden und gegenseitige Annahme wachsen.
Wochenimpuls
Überlege dir eine Person, die in Glaubensdingen anders tickt als du – und mach in dieser Woche einen Schritt auf sie zu: ein Gespräch, eine Einladung, ein Gebet für sie. Bitte Gott, dir seine Sicht auf diese Person zu schenken.
Liedvorschläge
- Feiert Jesus! Best of 214 – Geh unter der Gnade
- Feiert Jesus! Gold 62 – Wohin sonst
- Glorify 90 – Nehmt einander an, nehmt einander an
- Groß ist unser Gott 28 – Wohin sonst