Ziel der Einheit

Die Teilnehmenden entdecken, wie tief Paulus um sein Volk Israel ringt und wie sehr Gottes Erwählung auf Gnade beruht. Sie lernen, zwischen menschlicher Gerechtigkeitsvorstellung und Gottes frei geschenkter Barmherzigkeit zu unterscheiden und werden eingeladen, Gottes Treue als Fundament ihres Glaubens neu zu sehen.

Vorbereitung für Leiter:innen

Römer 9 beginnt überraschend: Nach dem Jubel von Kapitel 8 steht Paulus unter schwerem inneren Schmerz. Er leidet daran, dass viele aus Israel Jesus nicht als Messias erkennen. Seine Worte sind keine kühle Lehre, sondern gelebte Solidarität – er wäre bereit, selbst getrennt zu sein, wenn sein Volk gerettet würde.

Die Kernfrage in 9,6–16 lautet: Ist Gottes Wort hinfällig geworden? Paulus sagt: Nein. Er unterscheidet zwischen „Israel nach dem Fleisch“ und dem Volk der Verheißung. Erwählung ist nie Leistung, sondern Gnade. Er erinnert an Isaak statt Ismael, Jakob statt Esau: Gott erwählt frei, ohne Ansehen der Werke. Das provoziert unser Gerechtigkeitsempfinden, aber will deutlich machen: Rettung ist nicht Verdienst, sondern Geschenk.

Seelsorgerlich ist wichtig, hier nicht in kalten Fatalismus („Gott bestimmt eben willkürlich“) zu verfallen. Paulus verbindet Gottes souveräne Gnade mit einem brennenden missionarischen Herzen. Halte beides zusammen: Gottes Treue zu Israel und seine Barmherzigkeit für die Völker. Im Blick auf aktuelle Fragen zu Israel kann die Einheit helfen, Wertschätzung und Demut zu fördern.

Homiletische Kurzbeschreibung

Paulus ringt mit der Spannung zwischen Gottes Zusagen an Israel und der Ablehnung Jesu. Seine Antwort: Gottes Wort ist nicht hinfällig – seine Erwählung bleibt, und sie war schon immer reine Gnade. Wir leben aus derselben Barmherzigkeit. Das bewahrt vor Überheblichkeit und lädt zur Liebe zu Israel und zu allen Menschen ein.

Einstieg

Fragen zum Ankommen:

  • Wann hast du das Gefühl gehabt, dass du in einem Wettbewerb ungerecht beurteilt wurdest?
  • Kennst du Situationen, in denen du an Gott zweifelst, weil seine Versprechen und die Realität auseinanderzugehen scheinen?
  • Was löst der Gedanke „Erwählung“ in dir aus – eher Freude, Skepsis oder Unbehagen?

Kurzer Austausch in Kleingruppen (2–3 Personen), danach ein paar Eindrücke im Plenum.

Bibeltext

Lest Römer 9,1–16 laut (z.B. BasisBibel oder Luther 2017). Markiert beim ersten Lesen alles, was etwas über Paulus’ Herz (Gefühle, Wünsche) sagt. Beim zweiten Lesen markiert ihr Aussagen über Gottes Handeln und Erwählung.

Kurzimpuls

Paulus zeigt: Gottes Treue ist größer als unsere Fragen. Erwählung bedeutet nicht Willkür, sondern Gnade – Gott bindet sich an Menschen, die es nicht verdient haben. Das beginnt bei Israel und öffnet sich in Christus für alle Völker. Wer das versteht, kann nicht überlegen auf andere herabsehen, sondern staunt und betet.

Impuls-Andacht

Am Anfang von Römer 9 steht kein theologischer Vortrag, sondern ein gebrochenes Herz. Paulus leidet daran, dass viele aus seinem Volk Jesus nicht erkennen. Gleichzeitig hält er daran fest: Gottes Wort ist nicht gescheitert. Er erinnert daran, dass Gott schon immer aus Gnade erwählt hat: Isaak statt Ismael, Jakob statt Esau – nicht, weil sie besser wären, sondern weil Gott frei ist, barmherzig zu sein. Das sprengt unsere Leistungskategorien. Wir sind nicht Christ:innen, weil wir klüger oder moralischer wären, sondern weil Gott uns angesprochen hat. Diese Erkenntnis kann zwei Dinge wachsen lassen: Demut gegenüber anderen und ein neues Vertrauen in Gottes Treue – auch dort, wo wir sie nicht sehen.

Gesprächsfragen

Wahrnehmen:
  • Welche starken Gefühle und Formulierungen benutzt Paulus in den Versen 1–3? Was sagt das über sein Herz?
  • Welche Beispiele nennt Paulus, um Gottes Erwählung aus Gnade zu beschreiben?
Verstehen:
  • Was ist der Unterschied zwischen menschlichem Gerechtigkeitsempfinden („wie wir uns das vorstellen“) und Gottes Gnade in diesem Text?
  • Wie kann der Gedanke der Erwählung zu Demut statt zu Überheblichkeit führen?
Übertragen:
  • Wo kennst du persönlich Spannungen zwischen Gottes Zusagen und deiner erlebten Realität?
  • Wie könnte die Sicht auf Gottes Treue und Gnade dir helfen, in einer konkreten Situation dranzubleiben?

Neutestamentlicher Spiegel

Epheser 1,3–6: Paulus spricht von Erwählung „vor Grundlegung der Welt“ – aber immer im Horizont von Lobpreis und Gnade, nicht als Anlass zur Spekulation. Erwählung will zum Staunen und Danken führen.

Alttestamentlicher Hintergrund

5. Mose 7,7–9: Gott erwählt Israel nicht wegen seiner Größe, sondern aus Liebe und wegen seiner Treue. Diese Logik der Gnade steht hinter Paulus’ Argumentation in Römer 9.

Gebetszeit

Dank für Gottes Treue zu Israel und zu uns. Bitte um ein Herz, das wie Paulus leidenschaftlich für Menschen betet, die Jesus noch nicht kennen. Fürbitte für das jüdische Volk, für Frieden und Versöhnung, und für ein faires Reden über Israel in Kirche und Gesellschaft.

Wochenimpuls

Nimm dir in dieser Woche jeden Tag einen Moment, um für eine Person oder Gruppe zu beten, bei der du dich fragst, wie Gottes Weg weitergeht. Bitte Gott um Vertrauen in seine Treue – auch ohne alle Antworten zu haben.

Liedvorschläge

  • Feiert Jesus! Best of 165 – Meine Hoffnung und meine Freude
  • Feiert Jesus! Gold 69 – Ursprung und Ziel
  • Glorify 80 – Sein Erbarmen ist noch immer nicht zu Ende
  • Groß ist unser Gott 11 – Gnade und Wahrheit