Ziel der Einheit

Die Teilnehmenden erkennen, dass der innere Kampf mit der Sünde Teil des christlichen Lebens ist und nicht bedeutet, dass der Glaube gescheitert ist. Sie werden ermutigt, ehrlich mit ihrem Ringen umzugehen und ihre Hoffnung nicht auf die eigene Willenskraft, sondern auf Christus zu setzen.

Vorbereitung für Leiter:innen

Römer 7,14–25 ist einer der am meisten diskutierten Abschnitte: Spricht Paulus hier als Nichtchrist, als Jude unter dem Gesetz oder als Christ? Viele Ausleger sehen in diesem Abschnitt die Erfahrung eines Gläubigen, der die Tiefe der Sünde erkennt und gleichzeitig nach dem Guten verlangt. Wichtig ist: Der Text steht zwischen Römer 6 (neue Identität) und Römer 8 (Leben im Geist).

Paulus beschreibt einen inneren Zwiespalt: Das Gute wollen – und doch oft das Böse tun. Er entdeckt ein „Gesetz der Sünde“ in seinen Gliedern. Der Höhepunkt ist der Schrei: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?“ Die Antwort folgt sofort: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“

Seelsorgerlich ist dieser Text tröstlich für Menschen, die meinen, ein echter Christ dürfte diesen Kampf nicht kennen. Gleichzeitig bewahrt er davor, sich mit der Sünde abzufinden. Hilf der Gruppe, offen über eigene Kämpfe zu sprechen, ohne in Detailbeichten abzurutschen.

Homiletische Kurzbeschreibung

Christen kennen den inneren Zwiespalt: Der Wunsch, Gottes Willen zu tun, und die Erfahrung, immer wieder zu scheitern. Römer 7 nimmt diesen Kampf ernst – und führt ihn nicht in die Verzweiflung, sondern zu Christus. Unsere Hoffnung liegt nicht in perfekter Selbstkontrolle, sondern in dem Herrn, der uns aus der Macht der Sünde erlöst.

Einstieg

Einstiegsfragen:

  • Wie hast du als Kind auf die Anweisungen deiner Eltern reagiert?
  • Wie reagierst du normalerweise auf Autorität?
  • Kennst du den Satz: „Ich weiß, was richtig wäre – und mache doch oft das Gegenteil“ aus deinem Leben?
  • Wie gehst du mit diesem inneren Widerspruch um – verdrängen, rechtfertigen, ehrlich werden?
  • Was ist eine der größten Herausforderungen, die du in deinem Leben erlebt hast, und wie hast du sie überwunden?

Bibeltext

Lest Römer 7,14–25 laut. Bittet die Teilnehmenden, „Herz-Wörter“ zu markieren – Stellen, an denen sie innerlich nicken oder sich wiederfinden. Lest Vers 24–25 ein zweites Mal langsam.

Kurzimpuls

Paulus verschweigt den inneren Kampf nicht. Er zeigt: Auch wer Gottes Gesetz gut findet, erlebt die Macht der Sünde. Die Lösung liegt nicht in noch mehr Willensanstrengung, sondern in einem „Wer“ – in Christus. Der Schrei der Verzweiflung wird zur Tür in die Dankbarkeit. Römer 7 bleibt nicht das letzte Wort, sondern bereitet Römer 8 vor.

Impuls-Andacht

Es ist entlastend, dass Paulus nicht so tut, als hätte er sein Inneres im Griff. Er kennt das „Ich will ja – und tue doch das Gegenteil“. Vielleicht erkennst du dich darin wieder: gute Vorsätze, gebrochene Versprechen, alte Muster. Römer 7 lädt nicht dazu ein, sich bequem einzurichten, aber er entlarvt die Illusion, wir könnten uns selbst retten. Der entscheidende Satz ist eine Frage: „Wer wird mich erlösen?“ – und die Antwort: „Dank sei Gott durch Jesus Christus!“ Die Perspektive verschiebt sich: weg vom ständigen Kreisen um mich, hin zu Christus, der mich kennt, liebt und verändert.

Gesprächsfragen

Wahrnehmen:
  • Welche Spannungen beschreibt Paulus in diesem Abschnitt? Welche Formulierungen springen dir ins Auge?
  • Wo schlägt der Text von Klage und Verzweiflung in Dankbarkeit um?
Verstehen:
  • Warum ist es wichtig, den inneren Kampf ernst zu nehmen – und warum ist er kein Zeichen dafür, dass der Glaube falsch ist?
  • Was bedeutet es, die eigene Hoffnung nicht auf Willenskraft, sondern auf Christus zu setzen?
Übertragen:
  • Gibt es einen Bereich, in dem du besonders stark diesen inneren Zwiespalt erlebst?
  • Wie könntest du konkret lernen, in solchen Situationen Jesus anzurufen statt nur dich selbst anzuklagen?

Neutestamentlicher Spiegel

1. Johannes 1,8–9: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, betrügen wir uns selbst … Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht.“ Ehrlichkeit und Vertrauen auf Gottes Vergebung gehören zusammen.

Alttestamentlicher Hintergrund

Psalm 51: Davids Bußpsalm zeigt das ehrliche Ringen eines Menschen, der seine Sünde erkennt und zugleich um ein neues Herz bittet. Dieses Gebet kann helfen, Römer 7 persönlich zu beantworten.

Gebetszeit

Zeit der Stille, in der jede:r vor Gott eigenen Kampf und eigene Schuld aussprechen kann. Anschließend können kurze Gebete gesprochen werden: Bitte um Vergebung, Bitte um Veränderung, Dank für Jesu Erlösung.

Wochenimpuls

Nimm dir in dieser Woche vor, in einer konkreten Versuchungssituation ein kurzes Gebet zu sprechen („Herr Jesus, hab Erbarmen“) und – wenn möglich – eine Person deines Vertrauens um Gebet zu bitten.

Liedvorschläge

  • Feiert Jesus! Best of 187 – Lege deine Sorgen nieder
  • Feiert Jesus! Gold 104 – Lege deine Sorgen nieder
  • Glorify 137 – Fürchte dich nicht, ich bin bei dir
  • Groß ist unser Gott 53 – Ich bin bei dir