Ziel der Einheit
Die Teilnehmenden setzen sich mit der Frage auseinander, was es heißt, den „Lauf zu vollenden“ und den Glauben zu bewahren. Sie werden ermutigt, ihr Leben im Licht der Ewigkeit zu sehen und konkrete Konsequenzen für ihren Alltag zu ziehen.
Vorbereitung für Leiter:innen
Lies 2. Timotheus 4,6–8.16–18 mehrmals und achte auf den Ton: Es ist kein Triumphgeschrei, sondern eine ruhige, hoffnungsvolle Rückschau. Paulus verwendet drei starke Bilder: „Trankopfer“, „Kampf“, „Lauf“. Er sieht sein Leben als hingegebenen Gottesdienst, als intensiven Kampf und als Lauf, der nun ins Ziel kommt.
In Vers 7 stehen drei Perfektformen: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt.“ Es geht nicht um Perfektion, sondern um Treue. In Vers 8 blickt Paulus auf die „Krone der Gerechtigkeit“ (stephanos tēs dikaiosynēs), die der Herr, der gerechte Richter, geben wird – nicht nur ihm, sondern allen, die sein Erscheinen liebhaben.
Die Verse 16–18 machen deutlich, dass Paulus menschliche Enttäuschungen kennt: Bei seiner ersten Verteidigung stand niemand zu ihm. Und doch erlebt er: Der Herr stand mir bei. Diese Spannung – zwischen menschlicher Verlassenheit und göttlicher Treue – ist seelsorgerlich wichtig.
Bereite dich darauf vor, dass in der Gruppe Fragen nach Tod, Abschied und unerfüllten Wünschen auftauchen können. Schaffe einen Raum, in dem solche Themen benannt werden dürfen, ohne vorschnelle Antworten geben zu müssen. Betone: Unsere Hoffnung gründet sich nicht auf eine perfekte Lebensbilanz, sondern auf den treuen Herrn.
Homiletische Kurzbeschreibung
Paulus blickt auf sein Leben zurück – nicht als glänzender Held, sondern als jemand, der mit vielen Brüchen unterwegs war und doch auf Jesus vertraut hat. Entscheidend ist nicht die Anzahl unserer Erfolge, sondern dass wir den Glauben bewahren und unser Leben in Gottes Hände legen. Am Ende wartet nicht ein harter Richter, sondern der gerechte und barmherzige Herr, der seine Treue krönt – in unserem Leben und darüber hinaus.
Einstieg
Frage in die Runde: Wenn du an das „Ziel“ deines Lebens denkst – welches Bild kommt dir in den Sinn (z.B. Staffelstab weitergeben, Zuhause ankommen, Party, Ruhebank)? Kurzer Austausch in Kleingruppen, dann einige Eindrücke sammeln.
Bibeltext
Lest 2. Timotheus 4,6–8.16–18 langsam. Markiert Worte oder Sätze, die euch besonders berühren oder Fragen auslösen. Evtl. noch einmal Verse 7–8 laut in der Mitte des Raumes lesen.
Kurzimpuls
Paulus sieht sein Leben im Licht Gottes: als Opfer, als Kampf, als Lauf. Er weiß: Mein Teil war Treue, Gottes Teil ist die Krone der Gerechtigkeit. Trotz menschlicher Enttäuschungen erlebt er: Der Herr stand mir bei und wird mich retten. Die Perspektive der Ewigkeit nimmt dem Hier und Jetzt nicht die Bedeutung, aber sie relativiert den Druck, alles „schaffen“ zu müssen. Wir dürfen lernen, jeden Tag im Vertrauen zu leben, dass Jesus uns ans Ziel bringt.
Impuls-Andacht
Paulus weiß: Sein Lauf geht zu Ende. Kein Held in glänzender Rüstung, eher ein müder Kämpfer mit vielen Narben. Und doch klingt in seinen Worten keine Bitterkeit, sondern tiefe Zuversicht: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt.“ Nicht perfekt, aber treu. Am Ziel wartet nicht der große Applaus der Menschen, sondern der gerechte Richter, der zugleich der barmherzige Jesus ist. Er krönt nicht unsere Erfolge, sondern seine Gnade in unserem Leben. Das befreit: Du darfst heute Schritte im Glauben gehen – auch unvollkommen – im Vertrauen, dass Jesus dich ans Ziel bringt.
Gesprächsfragen
Wahrnehmen:
- Welche Bilder verwendet Paulus für sein Leben und seinen Glauben? Was lösen sie bei dir aus?
- Wo werden im Text Enttäuschung und Verlassenheit sichtbar – und wo Gottes Treue?
Verstehen:
- Was könnte es bedeuten, den „guten Kampf“ zu kämpfen und den Glauben zu bewahren – im Unterschied zu einem perfekt gelungenen Leben?
- Was sagt die „Krone der Gerechtigkeit“ über Gottes Blick auf uns aus?
Übertragen:
- Wenn du in 20 oder 30 Jahren auf dein Leben zurückblickst: Was würdest du dir wünschen, über deinen Glauben sagen zu können?
- Gibt es einen Bereich, in dem du gerade Gefahr läufst, innerlich aufzugeben? Wie könnte Gottes Treue dir dort neue Perspektive geben?
Neutestamentlicher Spiegel
Philipper 3,12–14: Paulus beschreibt sein Leben als Lauf, bei dem er nach dem Ziel jagt. Nicht, weil er schon am Ziel wäre, sondern weil er von Christus ergriffen ist. Diese Spannung von „schon ergriffen“ und „noch unterwegs“ passt gut zu 2. Timotheus 4.
Alttestamentlicher Hintergrund
Psalm 23: Der HERR als Hirte, der durch dunkle Täler führt und am Ende „voller Becher“ und „Haus des HERRN“ verheißt. Auch hier verbinden sich Weg, Kampf und Ankommen bei Gott.
Gebetszeit
Dank für Menschen, die ihren Glauben treu bis zum Ende gelebt haben und uns Vorbilder geworden sind. Bitte um Treue in unserem eigenen Weg, besonders in schwierigen Phasen. Fürbitte für Menschen, die am Glauben zweifeln oder sich am Ende ihres Lebens einsam fühlen.
Wochenimpuls
Schreibe einen kurzen Brief (oder eine Nachricht) an dein „Zukunfts-Ich“ in zehn Jahren: Was wünschst du dir für deinen Glauben? Was soll dir wichtig geblieben sein? Bewahre den Brief auf und bete in dieser Woche mit Blick darauf: „Herr, bewahre meinen Glauben.“
Liedvorschläge
- Feiert Jesus! Best of 151 – Zehntausend Gründe
- Groß ist unser Gott 26 – In Christus ist mein ganzer Halt
- Glorify 186 – Christus hält mich fest
- Groß ist unser Gott 57 – Von guten Mächten wunderbar geborgen