Ziel der Einheit
Die Teilnehmenden erinnern sich an Menschen und Situationen, durch die ihr Glaube gewachsen ist, entdecken die „Gabe Gottes“ in ihrem Leben neu und werden ermutigt, Angst und Scham im Blick auf den Glauben ehrlich zu benennen und Schritte des Vertrauens zu gehen.
Vorbereitung für Leiter:innen
Lies den ganzen 2. Timotheusbrief am Stück, um den Ton des Briefes zu spüren: persönlich, ernst, aber hoffnungsvoll. Paulus schreibt wahrscheinlich aus seiner zweiten Gefangenschaft in Rom, rechnet mit seinem Tod und richtet Timotheus noch einmal aus.
Im Fokus dieser Einheit stehen 2Tim 1,5–8. Paulus erinnert Timotheus an seine Glaubensgeschichte: Großmutter Lois, Mutter Eunike und nun er selbst. Der „ungeheuchelte Glaube“ (griech. anupokritos – Glaube ohne Maske) ist ein Geschenk, das durch Menschen weitergegeben wird. In Vers 6 fordert Paulus Timotheus auf, die Gabe Gottes „anzufachen“ (griech. anazōpyrein – wie Glut, die neu auflodert). In Vers 7 betont Paulus: Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit (deilia) gegeben, sondern der Kraft (dýnamis), der Liebe (agápē) und der Besonnenheit (sōphronismos – nüchternes, gesundes Denken).
Plane genug Zeit für persönliche Gespräche ein – für manche ist es schmerzhaft, wenn sie keine „frommen Vorbilder“ hatten. Betone: Gott kann auch aus Bruchstücken eine Glaubensgeschichte schreiben. Achte darauf, niemanden unter Druck zu setzen, jetzt besonders „mutig“ sein zu müssen. Mut wächst oft in kleinen Schritten. Ermutige dazu, ehrlich von eigenen Ängsten zu erzählen – auch du als Leiter:in darfst hier transparent sein.
Homiletische Kurzbeschreibung
Gott schreibt Glaubensgeschichten durch Menschen, Situationen und seine eigene treue Gegenwart. Die Gabe Gottes in uns ist kein statischer Besitz, sondern will immer wieder neu entfacht werden. Weil Gottes Geist kein Geist der Angst, sondern der Kraft, Liebe und Besonnenheit ist, dürfen wir lernen, uns nicht für das Evangelium zu schämen, sondern mutig und gleichzeitig besonnen zu Jesus zu stehen.
Einstieg
Kurze Runde: Wer war für dich ein wichtiger Mensch im Glauben – und warum? Alternativ: Jede:r malt auf einen Zettel eine kleine Flamme und schreibt dazu einen Moment, in dem der eigene Glaube gewachsen ist. Anschließend (freiwillig) 1–2 Beispiele in der Runde teilen.
Bibeltext
Lest gemeinsam 2. Timotheus 1,1–14 (Luther 2017 oder BasisBibel). Anschließend kurze Stille, damit jede:r einen Vers markieren kann, der besonders anspricht.
Kurzimpuls
Paulus erinnert Timotheus zuerst an seine Glaubensgeschichte: Der Glaube wächst selten aus dem Nichts, sondern wird weitergegeben – durch Menschen, die beten, ermutigen, vorleben. Darauf folgt der Auftrag: „Entfache die Gabe Gottes in dir neu!“ – Glaube ist wie ein Feuer, das immer wieder Luft und Brennstoff braucht. Das Zentrum ist Vers 7: Gottes Geist macht nicht klein und ängstlich, sondern stärkt, liebt und klärt den Blick. Mut im Glauben heißt nicht, keine Angst zu kennen, sondern der Angst nicht das letzte Wort zu geben, sondern Gottes Zusage.
Impuls-Andacht
Manchmal fühlt sich Glaube an wie eine kleine Flamme im Gegenwind. Bei Timotheus waren Angst und Scham sehr real – und Paulus kennt das. Darum erinnert er ihn: Die Gabe Gottes in dir ist keine Eintagsfliege, sondern ein Feuer, das neu entfacht werden kann. Gottes Geist macht nicht klein und ängstlich, sondern schenkt Kraft, Liebe und Besonnenheit. Du musst nicht „von Natur aus mutig“ sein. Mut wächst, wenn du dich an Gottes Zusagen festhältst und kleine Schritte gehst: ein Wort bekennen, einen Dienst übernehmen, für jemanden beten. Jesus schämt sich nicht für dich. Mit ihm darfst du lernen, dich auch nicht für ihn zu schämen.
Gesprächsfragen
Wahrnehmen:
- Welche Personen werden im Text genannt, die für Timotheus wichtig sind? Was erfährst du über sie?
- Welche Gefühle klingen im Text an (z.B. Tränen, Angst, Scham, Mut)? Wo siehst du das?
Verstehen:
- Was könnte Paulus mit der „Gabe Gottes“ meinen, die in Timotheus ist? Welche Möglichkeiten siehst du im Text?
- Was unterscheidet einen „Geist der Furchtsamkeit“ von einem Geist der Kraft, Liebe und Besonnenheit? Wie hängen diese drei zusammen?
Übertragen:
- Wo erlebst du in deinem Alltag eher Angst oder Scham, wenn es um deinen Glauben geht? Was würde sich ändern, wenn du Vers 7 ernst nimmst?
- Wie könntest du in der kommenden Woche einen kleinen Schritt tun, um die „Gabe Gottes“ in dir neu zu entfachen?
Neutestamentlicher Spiegel
Römer 1,16: Paulus bekennt, dass er sich des Evangeliums nicht schämt, weil es Gottes Kraft zum Heil ist. Dieses Bekenntnis steht im Hintergrund des Aufrufs an Timotheus, sich nicht zu schämen.
Alttestamentlicher Hintergrund
Josua 1,5–9: Gottes Ermutigung an Josua „Sei getrost und unverzagt“ zeigt, dass Gott auch vor großen Aufgaben nicht nur befiehlt, sondern seine Gegenwart zusagt. Ebenso bei Jeremia (Jeremia 1,4–8): Gott kennt die Angst des Berufenen und verheißt seine Nähe.
Gebetszeit
Dank für Menschen, die den Glauben weitergegeben haben (Familie, Freunde, Vorbilder). Bitte um Mut, die Gabe Gottes neu zu entdecken und zu leben. Fürbitte für Menschen, die sich schämen, zu ihrem Glauben zu stehen oder unter Druck stehen – auch weltweit verfolgte Christinnen und Christen.
Wochenimpuls
Überlege dir eine konkrete Person, der du in dieser Woche ein Wort der Ermutigung weitergibst – z.B. eine kurze Nachricht mit einem Bibelvers oder einem persönlichen Gebet. Notiere dir Vers 7 und lies ihn jeden Morgen laut als Zuspruch über deinem Tag.
Liedvorschläge
- Feiert Jesus! Best of 17 – Mutig komm ich vor den Thron
- Feiert Jesus! Best of 109 – Nicht mehr Sklave
- Glorify 186 – Christus hält mich fest
- Groß ist unser Gott 1 – Groß ist unser Gott, Herr der Ewigkeit