Ziel der Einheit

Die Teilnehmenden entdecken, dass Gottes Ruf nicht erst dort beginnt, wo wir unseren äußeren Lebensstand verändern, sondern mitten in unseren bestehenden Beziehungen und Aufgaben. Sie werden ermutigt, ihren Alltag als Ort der Berufung zu verstehen und Freiheit nicht mit ständiger Unzufriedenheit zu verwechseln.

Vorbereitung für Leiter:innen

Kapitel 7 behandelt Fragen von Ehe, Ehelosigkeit, Trennung und Wiederverheiratung. In den Versen 17–24 fasst Paulus ein Prinzip zusammen: „Jeder bleibe in der Berufung (klēsis), in der er berufen wurde.“ Er illustriert das an Beschneidung/Unbeschnittensein und an Sklaverei/Freiheit. Entscheidend ist nicht der äußere Status, sondern die Zugehörigkeit zu Christus.

Dabei verharmlost Paulus Unfreiheit nicht – wer frei werden kann, soll es tun (7,21). Aber er entzieht der ständigen Suche nach „besseren Lebensumständen“ die absolute Bedeutung. Du bist schon jetzt von Gott gerufen – mitten in deinem Alltag.

Seelsorgerlich wichtig: Viele Christ:innen denken: „Wenn meine Umstände anders wären, könnte ich Gott besser dienen.“ Dieser Text spricht hinein: Gott kennt deine Situation und ruft dich genau dort. Natürlich gibt es Situationen, aus denen herauszugehen gut und nötig ist (z.B. Gewalt). Doch die grundlegende Botschaft ist: Deine Berufung ist größer als dein Status. Hilf der Gruppe, zwischen ungesunder Resignation und hektischer Veränderungssucht zu unterscheiden.

Homiletische Kurzbeschreibung

Gottes Ruf erreicht uns nicht erst, wenn wir ein „ideales Leben“ erreicht haben, sondern mitten in unseren aktuellen Lebensständen. In Christus sind Sklave und Freier, Verheiratete und Unverheiratete, Beschittene und Unbeschnittene gerufen. Berufung heißt: Ich gehöre Christus – und lebe das, wo ich bin.

Einstieg

Einstiegsfragen:

  • Was ist eine interessante oder lustige Tatsache über dein Leben, die du mit uns teilen möchtest?
  • Wenn du eine biblische Figur zu einem gemütlichen Abendessen einladen könntest, wer wäre das und warum?
  • Hast du schon einmal gedacht: „Wenn meine Lebensumstände anders wären, könnte ich Gott viel besser dienen“?
  • Welche Veränderungen wünschst du dir aktuell – und warum? (Arbeit, Beziehung, Wohnort …)

Bibeltext

Lest 1. Korinther 7,17–24. Markiert, wie oft das Wort „berufen“ vorkommt und in welchen Zusammenhängen. Markiert außerdem, was Paulus über Sklaverei und Freiheit sagt.

Kurzimpuls

Paulus verschiebt den Fokus: Nicht der äußere Lebensstand ist entscheidend, sondern die Beziehung zu Christus. Du bist gerufen – mitten in deinem Alltag. Das schützt vor der Illusion, Berufung beginne erst in anderen Umständen, und vor der Resignation, im Jetzt sei alles vergeblich.

Impuls-Andacht

Manchmal denken wir: „Wenn ich erstmal den richtigen Job, die richtige Beziehung, die richtige Gemeinde habe – dann kann ich richtig mit Gott leben.“ Paulus widerspricht. Er schreibt in eine Welt mit krassen Unterschieden: Beschittene und Unbeschnittene, Sklaven und Freie. Und er sagt: Entscheidend ist nicht dein Status, sondern wessen du bist. Bist du gerufen von Christus, dann bist du schon mitten in deiner Berufung.

Das heißt nicht, dass alle Umstände gut sind oder bleiben müssen. Aber es heißt: Gottes Geschichte mit dir ist nicht auf später verschoben. Vielleicht ist diese Einheit eine Einladung, deinen Alltag neu anzuschauen: deine Familie, deine Arbeit, deine Nachbarschaft. Hier – genau hier – kann Nachfolge Jesu Gestalt gewinnen. Nicht erst im „besseren Leben“, sondern im Heute.

Gesprächsfragen

Wahrnehmen:
  • Was sind einige der Schlüsselgedanken oder Themen, die hier angesprochen werden?
  • Wie oft und in welchem Zusammenhang taucht das Wort „berufen“ in diesem Abschnitt auf?
  • Welche Beispiele für unterschiedliche Lebensstände nennt Paulus konkret?
Verstehen:
  • Was meint Paulus, wenn er sagt, jeder solle bleiben in dem Stand, in dem er berufen wurde? Wo sind die Grenzen dieses Gedankens?
  • Wie versteht Paulus Freiheit – gerade im Blick auf Sklaverei?
  • In welcher Weise zeigt dieser Text, dass Gott jeden Menschen in seiner einzigartigen Situation wertschätzt?
Übertragen:
  • Wo neigst du dazu, dein geistliches Leben auf „später“ zu verschieben – wenn bestimmte Umstände anders sind?
  • Wie könnte es aussehen, deine aktuelle Situation bewusster als Ort der Berufung zu leben?
  • In welchen praktischen Situationen deines Lebens könntest du mehr danach streben, die Aufforderung, in deiner Berufung zu bleiben, umzusetzen?

Neutestamentlicher Spiegel

Kolosser 3,23–24: „Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen.“ Alltag und Arbeit werden als Dienst vor Gott verstanden – unabhängig vom Status.

Alttestamentlicher Hintergrund

Jeremia 29,4–7: Der Aufruf an die Exilierten in Babylon, Häuser zu bauen, Gärten zu pflanzen und für den Frieden der Stadt zu beten. Gottes Ruf erreicht sein Volk mitten in nicht idealen Umständen.

Gebetszeit

Dank für Gottes Ruf ins Leben jeder und jedes Einzelnen. Gebet, die eigene Situation mit seinen Augen zu sehen. Fürbitte für Menschen, die in schwierigen Umständen leben und dort Gottes Nähe brauchen.

Wochenimpuls

Schreibe auf, in welchen Rollen du aktuell unterwegs bist (z.B. Mutter/Vater, Kolleg:in, Nachbar:in, Freund:in). Bitte Gott für jede Rolle um eine konkrete Idee, wie du in der kommenden Woche seine Liebe sichtbar machen kannst.

Liedvorschläge

  • Feiert Jesus! Best of 151 – Zehntausend Gründe
  • Feiert Jesus! Gold 6 – Dir nah zu sein
  • Glorify 2 – Kommt, preist und lobet unsern Gott
  • Groß ist unser Gott 6 – Vater, ich danke dir