Ziel der Einheit
Die Teilnehmenden entdecken neu, was es heißt, vor Gott gerecht zu sein – nicht durch eigene Leistung, sondern allein durch Gottes Gnade in Christus. Sie verstehen grundlegende Begriffe wie Rechtfertigung und Glaube und werden ermutigt, sich nicht über ihre geistlichen „Erfolge“ zu definieren.
Vorbereitung für Leiter:innen
Römer 3,21–31 ist ein Schlüsseltext der Rechtfertigungslehre. Nach der Diagnose in 1,18–3,20 („da ist keiner, der gerecht ist“) kommt nun das große „Jetzt aber“ (nynì de). Gottes Gerechtigkeit ist „ohne Gesetz“ offenbart, aber vom Gesetz und den Propheten bezeugt – sie ist nicht gegen das Alte Testament, sondern erfüllt es.
Wichtige Begriffe: Rechtfertigung (dikaiōsis) bedeutet, dass Gott einen Menschen als gerecht erklärt – ein Gerichtsbild. Sie geschieht „aus Gnade“ (charis) und „durch die Erlösung“ (apolytrōsis) in Christus, die an den Auszug aus Ägypten und den Loskauf erinnert. Christus wird als „Sühneort“ (hilastērion) bezeichnet – Bild aus dem Tempel: der Gnadenthron auf der Bundeslade. Gott selbst schafft Versöhnung, trägt die Schuld und bleibt so zugleich gerecht und der Rechtfertiger.
„Aus Glauben ohne Werke des Gesetzes“ heißt nicht: Taten sind egal. Es heißt: Grundlage der Beziehung zu Gott ist Vertrauen, nicht Leistung. Gute Werke sind Frucht, nicht Bedingung. Achte darauf, billige Gnade ebenso wie subtilen Leistungsdruck zu benennen.
Seelsorgerlich: Manche haben ein tiefes Gefühl, nie zu genügen – auch geistlich. Diese Verse sind wie ein Gegenspruch Gottes gegen innere Anklagen. Hilf, zwischen echter Reue und destruktivem Perfektionismus zu unterscheiden.
Homiletische Kurzbeschreibung
Römer 3,21–31 ist wie ein Sonnenaufgang nach dunkler Nacht: Gott spricht schuldig gewordenen Menschen seinen Freispruch zu – auf Grundlage des Kreuzes Jesu. Wir müssen uns nicht länger selbst rechtfertigen, weil Gott uns gerecht spricht. Dieses Geschenk entlastet von frommem Leistungsdruck und befreit zugleich zur Liebe.
Einstieg
Einstiegsfragen:
- Wo im Alltag erlebst du Situationen, in denen du dich rechtfertigen musst (Job, Familie, Gemeinde)?
- Wie fühlt es sich an, wenn jemand vorbehaltlos zu dir sagt: „Du musst dich nicht beweisen“?
- Welche Sätze in deinem Kopf beginnen mit: „Als Christ sollte ich eigentlich …“?
Kurze Sammlung im Plenum oder auf Karten (ohne Namen), um ein Gefühl für inneren Druck zu bekommen.
Bibeltext
Lest Römer 3,21–31 gemeinsam. Lest die Verse 23–24 gern ein zweites Mal langsam. Bittet die Gruppe, Schlüsselwörter zu markieren (Gerechtigkeit, Gnade, Glauben, Kreuz …) und sie zu nennen.
Kurzimpuls
Paulus fasst die gute Nachricht so zusammen: Alle haben gesündigt – aber alle können ohne Verdienst gerecht werden durch Gottes Gnade. Die Grundlage ist das Kreuz: Dort begegnen sich Gottes Gerechtigkeit und Gottes Liebe. Nicht wir müssen Gott beweisen, dass wir es wert sind – er erklärt uns gerecht, weil Christus für uns eintritt. Glaube heißt, sich auf diesen Freispruch zu verlassen. So wird jede Form geistlichen Stolzes ausgeschlossen – niemand kann sich rühmen.
Impuls-Andacht
Wir kennen die inneren Gerichtsverhandlungen: Hätte ich mehr beten sollen, liebevoller sein müssen, weniger versagen dürfen? Römer 3 unterbricht diese Stimmen mit einem mächtigen „Jetzt aber“. Gott zieht nicht die Bilanz unserer Leistungen, sondern zeigt auf Christus. Am Kreuz nimmt Jesus die Konsequenzen unserer Schuld auf sich – nicht, weil wir es verdient hätten, sondern aus Liebe. Rechtfertigung heißt: Gottes Urteil über mein Leben lautet in Christus: „angenommen, gerecht, mein geliebtes Kind“. Das nimmt dem Stolz die Grundlage und der Angst den Stachel. Glauben heißt, diesem Urteil mehr zu vertrauen als den Anklagen in mir.
Gesprächsfragen
Wahrnehmen:
- Welche Gegensätze fallen dir im Text auf (z.B. Gesetz – Gnade, Rühmen – Demut)?
- Welche Bilder für das, was Jesus am Kreuz getan hat, findest du in den Versen?
Verstehen:
- Was bedeutet „Rechtfertigung aus Glauben“ ganz praktisch? Wie unterscheidet sich das von einem Glauben, der auf Leistung baut?
- Warum schließt diese Botschaft jedes menschliche Rühmen aus? Was heißt das für unser Miteinander als Gemeinde?
Übertragen:
- Wo versuchst du noch, dich vor Gott oder anderen über dein Tun zu definieren?
- Was würde es für dich konkret bedeuten, in einer bestimmten Situation auf Gottes Freispruch zu bauen statt auf eigene Anstrengung?
Neutestamentlicher Spiegel
Epheser 2,8–10: Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben – nicht aus Werken, damit sich niemand rühme. Gute Werke sind vorbereitet, damit wir darin wandeln. Die Spannung von Geschenk und Antwort wird ähnlich wie in Römer 3 gehalten.
Alttestamentlicher Hintergrund
Jesaja 53: Das Lied vom leidenden Gottesknecht zeigt, wie einer die Schuld vieler trägt. Paulus knüpft mit seiner Rede vom Sühneort und der Erlösung sprachlich und inhaltlich an diese Vorstellungen an.
Gebetszeit
Dank für Gottes Freispruch in Christus; für Erfahrungen, in denen die Gnade stärker war als eigene Schuldgefühle. Bitte, dass Gott uns innerlich frei macht von geistlichem Stolz und von zerstörerischem Perfektionismus. Fürbitte für Menschen, die unter harter Selbstanklage leiden.
Wochenimpuls
Nimm dir in dieser Woche jeden Tag einen Moment, um Römer 3,23–24 zu lesen und laut deinen Namen einzusetzen. Bitte Gott darum, dass diese Zusage tiefer wird als die alten Sätze in deinem Kopf.
Liedvorschläge
- Feiert Jesus! Best of 29 – Allein deine Gnade genügt
- Feiert Jesus! Gold 37 – Ich weiß, dass mein Erlöser lebt
- Glorify 125 – Aus Gnade, nur aus Gnade
- Groß ist unser Gott 14 – Allein deine Gnade genügt