Ziel der Einheit
Die Teilnehmenden sehen neu, dass das Evangelium keine fromme Zusatzinformation ist, sondern Gottes Kraft zur Rettung für jeden Menschen. Sie erkennen, dass Gottes Gerechtigkeit Geschenk ist und dass die Diagnose von Römer 1 nicht nur „die anderen“ trifft, sondern uns alle. Sie werden eingeladen, eigene Vorstellungen von „Glauben als Leistung“ zu hinterfragen.
Vorbereitung für Leiter:innen
Lies Römer 1–3 komplett, um den Zusammenhang zu erfassen. In 1,16–17 formuliert Paulus die These des ganzen Briefes. Das „Evangelium“ (griech. euangelion) ist die gute Nachricht von Gottes rettendem Handeln in Jesus Christus. Es ist „Gottes Kraft“ (dýnamis theou) – nicht nur Information, sondern wirksame Kraft, die rettet.
Die „Gerechtigkeit Gottes“ (dikaiosynē theou) wird im Römerbrief als Geschenk beschrieben: Gott erweist sich als gerecht, indem er Menschen gerecht macht, die an Christus glauben. „Aus Glauben zum Glauben“ (ek písteōs eis pístin) betont: Der Weg zum Heil beginnt und endet im Vertrauen – nicht in der Leistung.
Verse 18–23 sind der Anfang der großen Diagnose: Gottes Zorn (orgē) richtet sich gegen alle Gottlosigkeit, weil Menschen die Wahrheit unterdrücken. Zorn ist hier kein Ausrasten, sondern Gottes heiliges Nein zur zerstörerischen Macht der Sünde. Wichtig: Sprich nicht moralistisch „über die Welt da draußen“, sondern deutlich: Römer 1 bereitet vor, dass in Römer 3 alle unter der Sünde sind – auch religiöse Menschen.
Seelsorgerlich: Manche haben Angst vor dem Wort „Zorn Gottes“ oder haben Missbrauch damit erlebt. Betone, dass Gottes Zorn der Liebe entspringt, die das Zerstörerische nicht einfach hinnimmt. Achte darauf, die Einheit nicht im Negativen enden zu lassen, sondern im Staunen über Gottes Kraft im Evangelium.
Homiletische Kurzbeschreibung
Das Evangelium ist nicht ein frommes Hobby nebenbei, sondern Gottes Kraft zum Heil. Paulus stellt uns vor die Alternative: Entweder wir versuchen, unser Leben selbst zu rechtfertigen – oder wir lassen uns von Gottes Gerechtigkeit beschenken. Römer 1 zeigt ehrlich unsere Bedürftigkeit und macht so den Weg frei für die befreiende Botschaft: Gott rettet – aus Glauben, nicht aus Leistung.
Einstieg
Fragen zum Ankommen:
- Wann hast du zuletzt eine richtig gute Nachricht bekommen – und was hat sie mit dir gemacht?
- Wenn du „Evangelium“ hörst – welche Bilder oder Gefühle kommen dir spontan?
- Wie würdest du einem Freund in zwei Sätzen erklären, warum das Evangelium wichtig ist?
Kurze Austauschrunde in Zweiergruppen, danach ein paar Eindrücke im Plenum.
Bibeltext
Lest Römer 1,16–23 laut (Luther 2017 oder BasisBibel). Lasst anschließend eine Minute Stille. Jede:r markiert ein Wort oder einen Vers, der besonders ins Auge springt. Kurze Runde: Nur Vers oder Wort nennen, ohne Kommentar.
Kurzimpuls
Paulus schämt sich des Evangeliums nicht – obwohl es damals als Torheit oder Ärgernis galt. Für ihn ist es Gottes Kraft. Im Evangelium wird sichtbar, wie Gott Menschen in eine neue Beziehung bringt: nicht, weil sie alles richtig machen, sondern weil er gerecht macht. Gerade die ernste Diagnose von Römer 1 macht deutlich, wie nötig wir diese gute Nachricht haben. Der Weg aus der Spirale von Gottvergessenheit, Egoismus und Selbstrechtfertigung führt nicht über noch mehr Anstrengung, sondern über Vertrauen auf Christus.
Impuls-Andacht
Viele erleben das Christsein eher als Paket aus Regeln und Erwartungen. Paulus startet anders: mit einer guten Nachricht. Das Evangelium ist nicht ein weiterer Anspruch, sondern Gottes Kraft. Es erzählt von einem Gott, der nicht wegschaut, wenn wir uns verrennen, sondern rettend eingreift. Römer 1 malt kein schmeichelhaftes Bild vom Menschen – und doch ist das keine Verurteilungsrede von oben, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wir verlieren Gott aus dem Blick, machen uns eigene Götter und bleiben am Ende leer. Genau da setzt Gott an. Er schenkt seine Gerechtigkeit – und lädt uns ein, ihm zu vertrauen. Glauben heißt: Ich lasse los, mich selbst rechtfertigen zu müssen, und halte mich an Christus.
Gesprächsfragen
Wahrnehmen:
- Welche Begriffe für das Evangelium und für Gott fallen euch im Text besonders auf?
- Was wird über den Zustand der Menschen in Vers 18–23 gesagt? Welche Bilder werden verwendet?
Verstehen:
- Was bedeutet es, dass das Evangelium „Gottes Kraft zur Rettung“ ist – im Unterschied zu einer religiösen Idee?
- Wie verstehst du „Gerechtigkeit Gottes“ in diesem Zusammenhang? Was ist Geschenk, was ist Herausforderung?
Übertragen:
- Wo erlebst du in deinem Alltag Tendenzen, dich selbst zu rechtfertigen – vor dir, anderen oder vor Gott?
- Was würde sich konkret ändern, wenn du dem Evangelium als „Kraft Gottes“ in einem Bereich deines Lebens mehr vertrauen würdest?
Neutestamentlicher Spiegel
1. Korinther 1,18–25: Das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit, uns aber, die wir gerettet werden, Gottes Kraft. Paulus entfaltet hier ähnlich wie in Römer 1, dass Gottes Kraft sich gerade in der scheinbaren Schwachheit des Kreuzes zeigt.
Alttestamentlicher Hintergrund
Habakuk 2,4: „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Paulus zitiert diesen Vers in Römer 1,17. Schon im Alten Testament ist Glaube nicht bloßes Für-wahr-Halten, sondern Vertrauen auf Gottes Treue mitten in Krisen.
Gebetszeit
Dank für das Evangelium als Gottes Kraft; für Situationen, in denen Gottes Wort konkret getragen oder verändert hat. Bitte, dass Gott uns Bereiche zeigt, in denen wir uns selbst rechtfertigen, und uns ein neues Vertrauen auf seine Gerechtigkeit schenkt. Fürbitte für Menschen, die das Evangelium als „Last“ erlebt haben und neu seine befreiende Kraft entdecken sollen.
Wochenimpuls
Überlege dir eine Person, der du in dieser Woche in einfachen Worten sagen könntest, was das Evangelium für dich persönlich bedeutet. Formuliere zwei Sätze und bete darum, dass Gott dir eine passende Gelegenheit schenkt – ohne Druck, aber mit wachem Herzen.
Liedvorschläge
- Feiert Jesus! Best of 147 – So sehr hat Gott die Welt geliebt
- Feiert Jesus! Gold 38 – Jesus, meine Hoffnung, lebt
- Glorify 56 – Christ our hope in life and death
- Groß ist unser Gott 19 – Du allein rettest mich