Ziel der Einheit

Die Teilnehmenden entdecken, wie Gott im Buch Ester verborgen wirkt, und fragen, wie sie in unsicheren Situationen mutig und verantwortungsvoll handeln können.

Vorbereitung für Leiter:innen

Das Buch Ester spielt im Perserreich. Das jüdische Volk lebt in der Diaspora, ohne Tempel und Opferkult. Gott wird im Text nicht namentlich erwähnt – und doch entfaltet sich eine Rettungsgeschichte. Ester, eine jüdische Frau, wird Königin, ihr Cousin Mordechai verweigert Haman die Ehre, ein Vernichtungsplan gegen die Juden entsteht. In Ester 4 steht die Schlüsselszene: Mordechai fordert Ester auf, beim König für ihr Volk einzutreten. Das ist lebensgefährlich. Ester ringt, fastet, und entscheidet sich dann: „Komme ich um, so komme ich um.“ Für die Vorbereitung lies Ester 4 komplett und mach dir Notizen zu den Spannungen: Identität (geheimes Jüdinsein), Machtverhältnisse, Risiko. Überlege, wie du das Thema „Mut“ nicht heroisch, sondern realistisch zeichnest: Mut ist nicht Angstfreiheit, sondern Handeln trotz Angst. Und bedenke aktuelle Situationen, in denen Menschen für andere einstehen müssen.

Homiletische Kurzbeschreibung

Diese Einheit zeigt: Gott ist auch dann am Werk, wenn er nicht ausdrücklich genannt wird. Ester steht exemplarisch für Menschen, die an einem strategischen Ort stehen und das Risiko eingehen, ihre Stimme zu erheben. Der Abend soll Mut machen, eigene Einflussbereiche nicht zu unterschätzen und Gott gerade in gefährlichen oder unsicheren Situationen zu vertrauen.

Einstieg

  • Wann warst du zuletzt in einer Situation, in der du dich gefragt hast: Soll ich den Mund aufmachen oder lieber schweigen?
  • Wo erlebst du Druck, dich anzupassen, statt zu deiner Überzeugung zu stehen?
  • Was verbindest du mit „Mut“ – eher große Gesten oder kleine, unspektakuläre Schritte?

Bibeltext

Ester 4,5–17 lesen.

Kurzimpuls

Mordechai konfrontiert Ester mit der Möglichkeit, dass ihr Platz im Palast kein Zufall ist: „Wer weiß, ob du nicht gerade für eine Zeit wie diese zur Königin geworden bist?“ Ester reagiert nicht leichtfertig. Sie fordert Fasten, bereitet sich innerlich vor und geht dann ein reales Risiko ein. Mut entsteht hier aus einem Vertrauen: Mein Leben liegt in Gottes Hand – also kann ich es einsetzen für andere.

Impulsandacht

Vielleicht fühlst du dich nicht wie eine Königin, sondern eher wie ein kleines Rädchen. Und doch gibt es Momente, in denen deine Stimme, dein Handeln einen Unterschied machen können: am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Gemeinde. Ester erinnert: Dein Platz ist kein Zufall. Gott hat dich in bestimmte Beziehungen und Kontexte gestellt. Mut bedeutet nicht, ohne Angst zu sein. Mut heißt, die Angst mit Gott zu teilen – und dann das zu tun, was dran ist. Vielleicht ist es ein klares Wort gegen Ungerechtigkeit, ein Eintreten für jemanden ohne Stimme, ein Bekenntnis zu deinem Glauben. Die Frage „Wer weiß, ob du nicht gerade für eine Zeit wie diese an diesem Ort bist?“ könnte auch für dich gelten. Bist du bereit, Gott zu fragen, wo dein „Komme ich um, so komme ich um“ heute ganz praktisch aussehen könnte – im Kleinen wie im Großen?

Gesprächsfragen

Wahrnehmen:
  • Welche Spannungen erlebt Ester in Kapitel 4 zwischen Sicherheit und Verantwortung?
  • Welche Rolle spielt das Fasten in ihrer Entscheidung?
Verstehen:
  • Was bedeutet Mordechais Satz „für eine Zeit wie diese“ im Kontext der Erzählung?
  • Wie würdet ihr Esters Mut beschreiben – eher spontan oder gereift?
Übertragen:
  • Wo siehst du in deinem Alltag Situationen „für eine Zeit wie diese“, in denen deine Stimme wichtig sein könnte?
  • Welche Schritte helfen dir, Mut nicht allein aus dir selbst, sondern aus Gottes Gegenwart zu schöpfen?

Neutestamentlicher Spiegel

Apostelgeschichte 4,18–20; 2. Timotheus 1,7.
Die ersten Christen entscheiden sich, Gott mehr zu gehorchen als Menschen. Paulus schreibt: Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Alttestamentlicher Hintergrund

Das Buch Ester steht im Kontext jüdischer Diaspora-Erfahrungen. Das Purimfest erinnert bis heute an die Rettung vor Hamans Vernichtungsplan. Die Abwesenheit des Gottesnamens im Text ist bewusst gewählt und lädt ein, Gottes Handeln im Verborgenen zu entdecken.

Gebetszeit

Gebet um Mut und Weisheit in schwierigen Entscheidungen. Fürbitte für Menschen, die wegen ihres Glaubens oder ihrer Überzeugungen unter Druck stehen. Bitte um offene Augen für Situationen, in denen wir für andere einstehen können.

Wochenimpuls

Frage dich in dieser Woche bewusst: „Gott, wo hast du mich hingestellt – und wofür?“ Notiere dir eine Situation, in der du mutig oder klar handeln willst, und bitte andere, für dich zu beten.

Liedvorschläge

  • Mutig komm ich vor den Thron – Feiert Jesus! Gold Nr. 14
  • So groß ist der Herr – Feiert Jesus! Gold Nr. 85
  • Herr, du gibst uns Hoffnung – Glorify Nr. 24
  • Von guten Mächten wunderbar geborgen – Glorify Nr. 63