Ziel der Einheit

Die Teilnehmenden erkennen, wie Paulus das übliche Rühmen überdreht, um die Logik des Kreuzes sichtbar zu machen. Sie werden eingeladen, ihr eigenes Erfolgsdenken zu hinterfragen und Leidens-Erfahrungen neu im Licht Christi zu sehen.

Vorbereitung für Leiter:innen

Paulus geht hier in eine Art „Narrenrede“ ein. Er spielt ironisch mit den Erwartungen der Gemeinde, die offenbar von „Superaposteln“ beeindruckt ist (11,5). Wenn schon Rühmen, dann „töricht“ – und er rühmt ausgerechnet das, was man normalerweise versteckt: Schwachheit, Bedrängnisse, Verfolgung, Fluchten (Liste in 11,23–29). Sein „Lebenslauf“ liest sich wie eine Leidensbilanz.

Vers 30 fasst zusammen: „Wenn ich mich rühmen muss, will ich mich meiner Schwachheit rühmen.“ Die letzte Episode (Flucht aus Damaskus in einem Korb, 11,32–33) ist fast grotesk: Kein heroischer Sieg, sondern eine nächtliche Flucht.

Seelsorgerlich fordert dieser Text heraus: Wie gehen wir mit Leid und Scheitern um – im eigenen Leben, in der Gemeinde, in der Biografie von Leitenden? Hilf der Gruppe, ehrlich über Leistungsdruck und das Bedürfnis nach „starken Geschichten“ zu sprechen. Gleichzeitig: Räume sensibel mit oberflächlichen Deutungen von Leid auf. Paulus deutet seine Leiden im Licht Christi, aber er romantisiert sie nicht.

Homiletische Kurzbeschreibung

Paulus kehrt das Rühmungsprinzip um: Statt Erfolge aufzuzählen, zeigt er seine Wunden. Damit macht er deutlich: Im Reich Gottes zählen nicht glänzende Lebensläufe, sondern ein Herz, das in Schwachheit an Christus festhält.

Einstieg

Einstiegsfragen:

  • Welche Art von Prahlerei hörst du nicht gerne?
  • Was ist eine witzige oder interessante Erfahrung, die du in einer herausfordernden Situation gemacht hast?
  • Stell dir vor, du müsstest einen „geistlichen Lebenslauf“ schreiben – was würdest du eher hervorheben, was eher verschweigen?
  • Hast du schon einmal erlebt, dass gerade eine Bruchstelle in deinem Leben für andere zum Segen wurde?

Bibeltext

Lest 2. Korinther 11,16–33. Markiert alle Stellen, an denen Paulus sich rühmt oder das Rühmen anspricht. Markiert dann in Vers 23–29 die Leidensliste. Lest abschließend Vers 30–33 noch einmal langsam.

Kurzimpuls

Paulus entlarvt ein Denken, das auch uns vertraut ist: Nur Stärke zählt. Indem er sich seiner Schwachheit rühmt, zeigt er die Logik des Kreuzes. Gott schreibt seine Geschichte mit brüchigen Menschen – und gerade dort wird seine Kraft sichtbar.

Impuls-Andacht

Diese Verse lesen sich wie das Gegenteil eines Erfolgsberichts: Schläge, Gefängnisse, Schiffbrüche, Gefahren, Sorgen für die Gemeinden. Paulus versteckt das nicht – er legt es offen hin. Damit stellt er sich bewusst gegen die Selbstdarstellungskultur seiner Zeit. Er sagt: Wenn ich mich schon rühme, dann mit dem, was mich klein macht.
Das ist kein Hobby des Selbstmitleids, sondern eine geistliche Entscheidung. Paulus weiß: Gerade dort, wo ich nicht mehr stark bin, wird Christus groß. Vielleicht berührt dich das an einer Stelle, an der du deine Brüche lieber verdrängst. Diese Einheit kann eine Einladung sein, Gott genau diese Stellen hinzuhalten und zu sagen: „Herr, wenn du willst, gebrauche auch das – nicht trotz, sondern in meiner Schwachheit.“

Gesprächsfragen

Wahrnehmen:
  • In welchen Situationen beschreibt Paulus seine Erfahrungen mit Angst oder Bedrängnis?
  • Welche Dinge auf Paulus’ „Lebenslauf“ würdest du spontan lieber weglassen – und warum?
  • Welche Emotionen klingen in Vers 28–29 an, wenn Paulus von seiner Sorge für die Gemeinden spricht?
  • Was sagt dieser Abschnitt über die Identität und die Eigenschaften Gottes aus, besonders im Hinblick auf die Unterstützung seiner Diener?
Verstehen:
  • Warum nennt Paulus sein Rühmen „töricht“ – und was will er damit deutlich machen?
  • Wie steht dieses Kapitel im Zusammenhang mit der Botschaft vom Kreuz (vgl. 1. Korinther 1,18–25)?
  • Welche Rolle spielt das Thema der Schwäche in den Versen, die wir gelesen haben, und wie wird es hervorgehoben?
Übertragen:
  • Wo erlebst du in deinem Leben Druck, erfolgreich oder „stark“ erscheinen zu müssen – im Glauben, im Beruf, in der Gemeinde?
  • Gibt es eine Bruchstelle, die du bisher vor anderen verborgen hast, die aber vielleicht zum Segen werden könnte, wenn du behutsam davon erzählst?
  • In welchen Situationen könntest du mutiger deinen Glauben bekennen, inspiriert vom Beispiel des Apostel Paulus?

Neutestamentlicher Spiegel

Philipper 3,4–11: Paulus zählt seine „Vorteile“ auf – und erklärt sie um Christi willen für Schaden. Sein Gewinn ist, Christus zu erkennen – auch in dessen Leiden.

Alttestamentlicher Hintergrund

Jeremia 9,22–23: „Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit … sondern dessen rühme sich, wer sich rühmen will: Einsicht zu haben und mich zu erkennen.“ Paulus steht mit seinem „Rühmen im Herrn“ in dieser Tradition.

Gebetszeit

Gebet für Menschen, die unter Krankheit, Überlastung oder Druck leiden – in eurer Runde und darüber hinaus. Möglichkeit, in einem Satz eine eigene Not zu nennen, für die dann gebetet wird. Bitte, dass Gott euch hilft, ehrlich und gnädig mit Schwachheit umzugehen.

Wochenimpuls

Schreibe in dieser Woche einmal deine „Leidensliste“ auf – Dinge, die dich geprägt haben. Lege sie im Gebet vor Gott und bitte ihn, dir zu zeigen, wo er darin an deiner Seite war und ist. Wenn es passend ist, teile beim nächsten Treffen einen kleinen Ausschnitt davon.

Liedvorschläge

  • Feiert Jesus! Best of 23 – Anker in der Zeit
  • Groß ist unser Gott 7 – Du bist meine Zuflucht und Stärke
  • Glorify 49 – Meine Zeit steht in deinen Händen
  • Feiert Jesus! Gold 35 – Jesus, berühre mich